60 Sportabzeichen aus Nigeria

Die Sportabzeichenabsolventen in Westafrika (Quelle: Ulrich Lüdemann)

Die Buchstaben DSN stehen für Deutsche Schulen Nigerias. Hier von den Kindern dargestellt und von einem 30 Meter hohen Kran aus fotografiert. (Quelle: ds-abuja.de)

Die erwachsenen Sportabzeichen-Absolventen (Quelle: Ulrich Lüdemann)
Während im verschneiten Winter die Sportler hierzulande sich in den Hallen fit halten oder die Unverdrossenen dick eingepackt durch den Schnee joggen, hat in Abuja die Freiluftsaison gerade begonnen. Genau genommen hat sie nie geendet, denn unter der afrikanischen Sonne in der nigerianischen Hauptstadt können die Schüler der Deutschen Schulen Nigerias (DSN) 365 Tage im Jahr Sport treiben. Seit über zwei Jahrzehnten legen sie dabei auch regelmäßig das Deutsche Sportabzeichen ab.
Initiator der alljährlichen Sportabzeichenabnahme im fernen Abuja ist Ulrich Lüdemann. Der Sportabzeichenprüfer und Lehrer an der Firmenschule der deutschen Baufirma Bilfinger Berger AG dürfte einen Rekord halten. In drei ferne Länder hat er das Deutsche Sportabzeichen gewissermaßen exportiert. „Ich bin leidenschaftlicher Sportler und habe mein Leben lang Sport getrieben. Das Sportabzeichen hat mich immer begleitet." Als Lehrer brachte er den Fitnessorden 1979 nach Kolumbien, dann 1983 an die Deutschen Schulen in Basra und Rutba im Irak, bis er Ende der 80er Jahre schließlich nach Abuja in Nigeria gelangte.
2009 haben etwa 60 Schüler das Deutsche Sportabzeichen im Rahmen des Sportunterrichts an den Deutschen Schulen Nigerias abgelegt. Das entspricht ungefähr 65 Prozent der Schülerschaft. Jeden April, nach den Bundesjugendspielen, schickt Ulrich Lüdemann die Prüfbogen des Deutschen Sportabzeichens zum Deutschen Olympischen Sportbund nach Frankfurt. Im Sommer kommen die begehrten Sportabzeichen dann in der westafrikanischen Metropole an. „Wir haben hier zwei Monate Sommerferien", sagt er und fügt lachend hinzu: „Da staunen Sie wohl! Meistens machen wir die Verleihung für die Schüler dann im September."
„Das Sportabzeichen eignet sich hervorragend um die Kinder zu fördern", sagt Ulrich Lüdemann. „Die Schüler sind mit Spaß dabei und machen gerne mit." Der sportbegeisterte Lehrer möchte den deutschen Fitnessorden auch unter den Einheimischen populärer machen. In diesem Jahr hat er wieder einmal probiert, mit einigen Nigerianern das Deutsche Sportabzeichen zu machen. „Nigerianer können jedoch oft nicht schwimmen. Leider ist es auch diesmal daran gescheitert", berichtet er. „Das ist wirklich schade, denn alle anderen Disziplinen waren wirklich gut."
Auf den Spuren der U-17
Über die Sportabzeichenabnahmen hinaus organisiert Lüdemann viele andere Aktivitäten für seine Schüler. Anlässlich eines Benefizspiels zwischen den europäischen Angestellten der Bilfinger Berger AG und der Nationalmannschaft der Gehörlosen Nigerias am Weltbehindertentag kamen auch die Kinder zum Zug.
Im Nationalstadion in Abuja – dort wo im vergangenen Herbst die deutsche U-17 Fußballnationalmannschaft während der WM gespielt hatte – trat eine Auswahl der DSN gegen die französische Schule Abujas an. „Das ganze fand natürlich nicht vor 60.000 sondern vor 60 Zuschauern statt", berichtet Ulrich Lüdemann. „Trotzdem war es eine tolle Atmosphäre. Die europäische Hymne wurde gespielt und auf der Videoleinwand wurden die Namen aller Spieler angezeigt."
Ulrich Lüdemann hat in Nigeria seine zweite Heimat gefunden. „Wir haben hier eine tolle Lebensqualität", sagt er. „Die klimatischen Bedingungen sind fantastisch. Ich brauche keine warme Kleidung und kann zu jeder Tages- und Nachtzeit in den Pool springen." Trotz all dieser Vorzüge wird er bald nach Deutschland zurückkehren. Denn mit 60 Jahren steht er kurz vor der Pensionierung. Die Chancen stehen wohl nicht schlecht, dass er dem Sportabzeichen treu bleiben wird. Und wer weiß – vielleicht wird er so sogar noch in einem vierten Land das Sportabzeichen abnehmen.









