Großes Sportfest im Zeichen der Inklusion in Ravensburg

16.06.2016

Der vierte Stopp der Sportabzeichen-Tour am heutigen Donnerstag (16. Juni) in Ravensburg ist ein Höhepunkt für den Inklusionssport in Württemberg.

Kinder testen Rollstuhlfahren: Inklusion steht in Ravensburg im Fokus.

Prüfer Michael Stäbler (li.) stellt sich zum Gruppenbild mit den Mitgliedern der Abteilung Sport für Menschen mit Behinderung (SMB) der TSG Wilhelmsdorf.

Unter der Anleitung von Danny Ecker, Trimmy, Miriam Höller und Frank Busemann (v.li.) klappt auch das Aufwärmen reibungslos.

Nur Fliegen ist schöner: Weitsprung zählt zu den leichtathletischen Prüfungselementen. Alle Fotos: Treudis Nass

Michael Stäbler engagiert sich seit 26 Jahren für den inklusiven Sport. Bei der TSG Wilhelmsdorf ist er Abteilungsleiter der Abteilung Sport für Menschen mit Behinderung (SMB), außerdem ist der 57-Jährige Nationaler Koordinator Unified Sports für Südost Baden-Württemberg und Inklusionsbeauftragter im Sportkreis Ravensburg. Natürlich hat er auch die Prüferlizenz, um das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen abzunehmen.

Beim vierten Tourstopp der Sportabzeichen-Tour in Ravensburg notiert er seit kurz nach 9 Uhr heute Morgen die Zeiten der Teilnehmer beim 50-Meter-Lauf. „Ich freue mich einfach, wie viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene hier beim inklusiven Deutschen Sportabzeichen mitmachen“, fasst Michael Stäbler seine Eindrücke zusammen.

Die Herausforderung annehmen

1.200 Teilnehmer waren ins barrierefreie Sportzentrum der TSB 1847 Ravensburg gekommen, darunter 700 Kinder und Jugendliche, 100 von ihnen mit Behinderungen. Sie alle zeigten sich schon beim gemeinsamen Aufwärmen mit DOSB-Maskottchen Trimmy, den Ravensburger Stadtmaskottchen Mehli und Katzenliesele und den Sportbotschaftern in bester Stimmung, bereit die Herausforderung Deutsches Sportabzeichen anzunehmen.

Der frühere Weltklassezehnkämpfer Frank Busemann (kinder+Sport), der deutsche Rekordhalter beim Stabhochsprung in der Halle Danny Ecker (Sparkassen-Finanzgruppe) und Stuntfrau, Moderatorin und Model Miriam Höller (Ernsting’s family) traten gemeinsam mit Mountainbike-Profi Daniel Gathof und Kindern mit und ohne Behinderungen auch bei der Rollstuhl-Pendel-Staffel am Vormittag an.

Über 50 Meter gingen sechs Riegen mit je fünf Startern im Rollstuhl ins Rennen. Natürlich hatten die Rollstuhlfahrer hier Vorteile und eine Riege ohne prominente Verstärkung holte sich den Sieg.

Gelebte Inklusion

Auch Michael Stäbler feuerte die Staffeln an. Er selbst hat 1990 damit begonnen, Menschen mit und ohne Behinderungen beim Sport zusammenzubringen. Gemeinsam mit einem Lehrer entwickelte er die Idee, dass Schülerinnen und Schüler des örtlichen Gymnasiums und einer Sonderschule acht Wochen lang gemeinsam Sportunterricht machen. In der Regel sind es die Klassen 9 und 10, die an dem Projekt teilnehmen, das seit 1990 ohne Unterbrechung läuft.

In seinem Verein der TSG Wilhelmsdorf hat Michael Stäbler die Abteilung Sport für Menschen mit Behinderung (SMB) aufgebaut. „Bei uns gibt es inklusive Sportangebote im Bereich Fußball, Volleyball, Fahrrad, Ski und Snowboarden“, zählt der Abteilungsleiter auf. Außerdem treffen sich einmal pro Woche Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren in einer inklusiven Kindersportschule (KIS) und Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren in der inklusiven Jugendsportschule (JIS). Die Übungsstunden finden abwechselnd in der Turnhalle und im Schwimmbad statt.

Die Abteilung hat aktuell 25 Mitglieder ohne und 140 Mitglieder mit Handicap, die meisten von ihnen mit geistiger Behinderung, teilweise verbunden mit Hör- und Kommunikationsproblemen. Das Alter reicht von 7 bis 73 Jahren. Innerhalb der Abteilung SMB gibt es die Unterabteilung „Unified Sports“. In dieser Abteilung sind die Ämter des Vorstands, des Kassierers und Schriftführers nach dem Muster von Unified Sports bei Special Olympics besetzt: Ein Athlet (mit geistiger Behinderung) und ein Partner (ohne Behinderung) bilden dabei gemeinsam ein Tandem.

Zu den Höhepunkten im Vereinsleben gehört die Kooperation mit dem TV Weingarten, einem Trampolinsportverein dessen Hochleistungssportler bei Wettbewerben immer vordere Plätze belegen.

Erfahrungen teilen, Wissen weitergeben

Als Inklusionsbeauftragter des Sportkreises Ravensburg berät Michael Stäbler Sportvereine, wie sie Menschen mit Behinderungen am Sport beteiligen können. „Da geht es um Fragen, wie man eine Sporthalle barrierefrei machen kann, aber vor allem sind viele unsicher, wie sie mit behinderten Menschen umgehen sollen. Gerade wenn es um geistige Behinderungen geht, sind viele Übungsleiter unsicher und manchmal auch übervorsichtig“, sagt Michael Stäbler.
„Wir organisieren auch regelmäßig inklusive Abnahmen für das Deutsche Sportabzeichen, zum Beispiel in Schulen oder bei lokalen Sportfesten“, meint Michael Stäbler, „die inklusive Sportabzeichen-Tour heute in Ravensburg ist für uns natürlich ein absolutes Highlight.“

Dr. Karin Fehres, Vorstand Sportentwicklung im DOSB bedankte sich beim Organisationsteam vom Sportkreis Ravensburg und dem Württembergischen Landessportbund mit allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für die rundum gelungene Veranstaltung.

(Quelle: wirkhaus)