Integrative Kraft an der Weitsprunganlage

10.10.2016

Beim Sportabzeichen-Tag des TV Steinvorth-Rubbelrath haben Flüchtlinge tatkräftig geholfen.

Ein klasse Team: Die Helferinnen und Helfer des Sportabzeichen-Tags des TV Steinvorth-Rubbelrath kommen aus vielen Nationen. (Quelle: privat)

Ein klasse Team: Die Helferinnen und Helfer des Sportabzeichen-Tags des TV Steinvorth-Rubbelrath kommen aus vielen Nationen. (Quelle: privat)

Das Deutsche Sportabzeichen gibt es beim TV Steinvorth-Rubbelrath fast genauso lange wie den Verein selbst: „1974 wurde der TV gegründet und schon 1975 legten die ersten Kinder die Prüfungen ab. Seit Bestehen haben 2.100 Menschen das Sportabzeichen abgelegt, und derzeit freuen wir uns immer über 70 bis 80 Sportorden jährlich“, erzählt Dagobert Scholz, der 1. Vorsitzende des TV Steinvorth-Rubbelrath.

Der einmal im Jahr stattfindende Sportabzeichen-Tag, den der rund 350 Mitglieder starke Verein im nordrhein-westfälischen Kreis Neuss gemeinsam mit dem Glehner Turnverein veranstaltet, hat mittlerweile Tradition. „Der Sportabzeichen-Tag am 11. September war der fünfte seiner Art. Wir haben ihn als eine Integrationsveranstaltung für Flüchtlinge verstanden“, so Scholz, der auch die Idee zu diesem Schwerpunkt hatte. „Wir wissen, welche integrative Kraft der Sport hat. Der Integrations-Aufgabe haben wir uns als Verein gestellt“, führt Dagobert Scholz aus.

Schwierige Zeiten sportlich gemeistert

Dabei war es nicht immer einfach. Dem TV Steinvorth-Rubbelrath erging es wie vielen Sportvereinen: In seiner Halle waren Flüchtlingsfamilien einquartiert, die Halle war für den Sport nicht nutzbar. „Das war nun einmal so, und es war eine Notlösung. Statt zu jammern, haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir diese Menschen in unseren Verein und in unsere Gemeinde integrieren können“, erzählt Scholz. Längst hat der Ort andere Unterbringungsmöglichkeiten für die Familien in Not gefunden.

„Einige Frauen aus Syrien nehmen regelmäßig an der Walking-Gruppe teil, ihre Ehemänner machen Gymnastik oder Ballspiele. Fünf Männer aus Pakistan joggen. Und auch sonst sind die Flüchtlinge beim Vereinsleben dabei. Das war auch beim Sportabzeichen-Tag so“, berichtet der Vereinsvorsitzende. So kam es, dass zur Veranstaltung 72 Sportlerinnen und Sportler im Alter von sechs bis 74 Jahren in den Glehner Sportplatz kamen, acht davon waren geflüchtete Menschen.

Dran bleiben, dann wird es was

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auf die Menschen direkt zugehen, ihnen von dem Angebot persönlich erzählen und dann auch dran bleiben muss. Dann kann es funktionieren. Mein Eindruck jedenfalls war, dass es allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat, ob er nun langjähriges Gemeindemitglied war oder gerade erst hier gelandet ist“, meint Dagobert Scholz, der die Flüchtlinge gefragt hat, ob sie bereit wären, auch als Helferinnen und Helfer den Sportabzeichen-Tag zu unterstützen.

„Nachdem sie ihre Prüfungen gemacht hatten, waren sie tatkräftig im Organisationsteam engagiert und haben beispielsweise bei der Weitsprunganlage gemessen oder beim Werfen die Bälle zurückgebracht“, erinnert sich Scholz. Weil die meisten der Flüchtlinge nicht schwimmen können, der Schwimmnachweis aber zum erfolgreichen Ablegen des Deutschen Sportabzeichens notwendig ist, geht Dagobert Scholz jetzt einmal in der Woche mit den Flüchtlingen zum Schwimmunterricht. „Dann sollte das geschafft sein“, meint er zuversichtlich.

„Das Deutsche Sportabzeichen ist ein toller Gradmesser für die eigene Leistungskraft. Man kann es jedes Jahr wiederholen und kann dadurch ablesen, wie fit man noch ist oder ob man besser etwas mehr trainieren sollte. Und es ist zugleich ein Instrument, um Menschen mit anderen Menschen bekannt zu machen. Egal, welche Sprache man dazu spricht. Das haben wir hier deutlich gesehen“, freut sich der Vorsitzende des TV Steinvorth-Rubbelrath.

(Quelle: wirkhaus)