München spielt wieder ganz vorne mit

09.10.2014

Ernst Wöbking hat die bayerische Landeshauptstadt in Sachen Sportabzeichen aus dem Dornröschenschlaf erweckt.

Ernst Wöbking beim Lauftraining (Foto:privat)

Wenn man an München und Sport denkt, fallen einem natürlich zuerst die Fußballklubs ein: Rekordmeister FC Bayern München oder die Löwen von 1860. Ohne Zweifel spielt der Fußball in der Stadt eine überproportional große Rolle, aber auch beim Thema Breitensport und beim Deutschen Sportabzeichen tut sich etwas.

Einer, der sich persönlich dafür engagiert, ist Ernst Wöbking. Seit drei Jahren ist der frühere Leichtathlet Sportabzeichen-Referent für den Sportkreis I in Oberbayern, also zuständig für die Stadt München. „Als ich damals die Aufgabe übernommen habe, war München in Sachen Sportabzeichen eher ödes Land. Jahrelang war nicht viel passiert, besonders an unseren Schulen“, erzählt der 72-Jährige. Das galt es zu ändern und so klapperte Ernst Wöbking sprichwörtlich alle Vereine, Betriebssportgemeinschaften und Schulen ab. Immer mit dem Ziel, das Deutsche Sportabzeichen wieder in die Köpfe zu bringen und zu beleben.

Magere Bilanz

„Die Schullandschaft in München ist groß“, so Ernst Wöbking. „500 Schulen gibt es bei uns in der Stadt und gerade mal 10 davon legten das Deutsche Sportabzeichen ab. Das war und ist mir eindeutig zu wenig, also musste ich etwas tun“, so der Sportabzeichen-Referent. Unterstützung bekam Ernst Wöbking dabei von Dr. Peter Spitzenpfeil von der TU München. Als Sportwissenschaftler hatte er mit seinem Team den Entwicklungsprozess zur Reform des Sportabzeichens begleitet.

„Herr Spitzenpfeil schrieb mir im 100. Jubiläums-Jahr des Sportabzeichens 2013 einen Brief, in dem er fragte, ob er mit seinen Studenten nicht auch das Sportabzeichen ablegen könnte“, erzählt Ernst Wöbking. Gesagt, getan. Noch im selben Jahr legten 120 Studierende der TU die Disziplinen ab. Damit war der Grundstein gelegt und sollte für eine Fortführung sorgen. Durch Dr. Spitzenpfeil, dessen Ehefrau Sportkoordinatorin der Münchener Schulen ist, kam auch der Kontakt zu den Schulen zustande. Auch hier bleibt Ernst Wöbking unermüdlich am Ball, um die Sportabzeichen-Zahlen zu steigern.

Wenn Tradition auf Moderne trifft

Ernst Wöbking selbst hat bisher 12 Mal das Sportabzeichen abgelegt. „In diesem Jahr konnte ich wegen einer Verletzung nicht ganz so regelmäßig trainieren. Aber für Silber hat es trotzdem gereicht“, lacht er. Unter seinen Schützlingen gibt es einige, die das Sportabzeichen schon das halbe Leben lang begleitet. „Wir haben Sportkameraden, die schon 50 Mal und öfter die Disziplinen abgelegt haben. Ich bewundere die meisten, denn sie machen das immer noch mit viel Energie. Und man kann sich darauf verlassen, dass sie im nächsten Jahr wieder da sind“, so Wöbking.

Allerdings gab es auch ein paar Vorbehalte. Und zwar 2013, als mit der Reform des Deutschen Sportabzeichens die Bedingungen angepasst wurden. „Da gab es hier bei uns teilweise kleine Aufstände“, so Ernst Wöbking. Denn bis dahin gab es ja neben dem offiziellen Sportabzeichen auch das Bayerische Leistungssportabzeichen. Mit der Reform wurde es abgeschafft, und das wollten viele eingefleischte Traditionalisten hier nicht akzeptieren. Sie haben aber schnell gemerkt, dass die neuen Anforderungen denen des bayerischen Abzeichens ganz ähnlich sind – und inzwischen kommen die meisten auch wieder“, erzählt Ernst Wöbking.

Die magere Bilanz bekommt Rundungen

Der Sportabzeichen-Referent ist auf dem richtigen Weg, sein Engagement in den letzten drei Jahren hat sich gelohnt. Immer mehr Vereine bilden Sportabzeichen-Gruppen und Ernst Wöbking konnte von derzeit 100 Prüfern die Hälfte neu dazugewinnen. „Der Nachwuchs ist für mich sehr wichtig, denn damit gewinnen wir auch insgesamt mehr junge Leute für das Deutsche Sportabzeichen“, sagt er. Und die Zahlen sprechen für sich: waren vor drei Jahren knapp 700 Sportabzeichen-Absolventen für ganz München gemeldet, sind es 2014 mit rund 1.300 schon fast doppelt so viele.

Ernst Wöbking ist stolz auf den Erfolg. „Es gibt hier bei uns Vereine, die erkannt haben, dass das Sportabzeichen eine gute Möglichkeit ist, seine Leistungsfähigkeit jedes Jahr zu testen. Der ESV München Freimann e.V. zum Beispiel macht das Deutsche Sportabzeichen sogar zur Bedingung für eine Mitgliedschaft“, erzählt er. Warum nicht? Schließlich soll das Sportabzeichen ja zu lebenslanger regelmäßiger Bewegung motivieren. Und das will ein Sportverein schließlich auch.

(Quelle: wirkhaus)

 Kategorie: Sportabzeichen-News