Niedernhausener wollen die 100 Fitnessorden knacken

    01.03.2010

    Jung und alt machen das Sportabzeichen in der Turngemeinde Niedernhausen (Quelle: Erich Siems)

    In der Turngemeinde Niedernhausen hat das Deutsche Sportabzeichen einen hohen Stellenwert. Dafür sorgt der Spartenleiter Artur Bund. Der einst wasserscheue Prüfer hat als Erwachsener extra für den Fitnessorden das Schwimmen erlernt. Seitdem wirbt er bei Sportskameradinnen und -kameraden unermüdlich für das Deutsche Sportabzeichen. Die Abnahmen steigen durch seinen Einsatz von Jahr zu Jahr.

    „Keine andere Sparte bringt die Generationen so zusammen wie das Deutsche Sportabzeichen“, sagt Artur Bund. „Das ist einfach schön. Hohe Abnahmezahlen kriegt man jedoch nur hin, wenn man ständig hinterher ist und die Leute an den Fitnessorden erinnert. Das ist immer auch ein bisschen Seelenmassage. Man muss immer wieder bohren. Ohne Fleiß keinen Preis, das gilt auch hier.“

    Im letzten Jahr haben 90 Niedernhausener in der Turngemeinde das Sportabzeichen abgelegt. „So viele waren es vorher noch nie“, freut sich Artur Bund. 2008 kamen 83 Abzeichen zusammen, ein Jahr davor 76. „Wir konnten fast immer zulegen“, sagt Artur Bund. Irgendwann wollen die Niedernhausener 100 Sportabzeichen knacken. „Im vergangenen Jahr haben einige nicht mitgemacht die sonst immer dabei waren“, sagt er. „Wenn ich die motivieren kann, dann können wir das schaffen.“

    Als Artur Bund 1965 das Sportabzeichen in der Turngemeinde eingeführt hat, brachte er es im ersten Jahr auf 10 erfolgreiche Abnahmen. „Bevor ich mit den Prüfungen angefangen habe, hat kein Mensch in Niedernhausen das Sportabzeichen gemacht“, sagt er.

    Fürs Sportabzeichen Schwimmen gelernt

    Für sein erstes eigenes Sportabzeichen musste er zunächst mit 32 Jahren das Schwimmen erlernen. „Mein Vater war als Turner zwar sportlich, konnte aber nicht schwimmen“, erzählt Artur Bund. „Daher habe ich das Schwimmen als Kind nicht mitbekommen.“ Drei mal die Woche ging er vor der Arbeit morgens um sieben ins Stadtbad und kämpfte sich durch. „Ein großer Schwimmer wird aus mir nicht mehr“, so Artur Bund. „Aber ich gehe nicht unter und für das Sportabzeichen langt es gerade so. Und für die 200 Meter habe ich als 80-Jähriger über elf Minuten Zeit - das reicht.“ Seit damals hat er inzwischen schon 42 Sportabzeichen abgelegt. „Ich hoffe, dass ich die 45 noch schaffe“, sagt er und lacht.

    Als Prüfer hat er schon einiges erlebt. „Da kommen Leute, die wollen die Kugel mit Anlauf stoßen oder sie werfen das Gerät wie einen Schlagball. Andere glauben, sie dürfen übertreten, sobald die Kugel den Boden berührt. Da muss man natürlich eingreifen. So ein bisschen Wettkampfcharakter sollte das Sportabzeichen schon haben.“

    Artur Bund hat sein Leben lang leistungsorientiert trainiert. „Bei meinem Pensum können viele in meinem Alter nicht mehr mithalten. Ich laufe mich mit 1000 Metern ein, dann laufe ich vier Mal 100 Meter, anschließend 200 Meter und dann mache ich einige Treppenläufe neben dem Stadiongelände. Wenn ich gut drauf bin, dann laufe ich noch 400 Meter zum Abschluss.“

    Dieses Jahr im Sommer fährt er zu den Leichathletik-Europameisterschaften der Senioren. „Ich bin für die 100, 200 und 400 Meter gemeldet und hoffe, dass ich wieder in die Staffel komme.“ 1991 ist er im australischen Brisbane mit der 4x100- und der 4x 400-Meter-Staffel Weltmeister geworden. Sein 43. Sportabzeichen ist in diesem Jahr fest eingeplant. „Mit Standweitsprung und Kugelstoßen habe ich schon zwei Disziplinen abgehakt.“, sagt er. Und das verflixte Schwimmen werde ich auch wieder überstehen.“