Sportabzeichenprüfungen in der Hitze Westafrikas

Sprung ins kühle Nass (© Klaus Hoffstaedter und Susanne Wellershaus)

Sprinten fürs Sportabzeichen (© Klaus Hoffstaedter und Susanne Wellershaus)
Immer wieder finden sich engagierte Sportabzeichenprüfer, die in den entlegenen Ecken der Welt Werbung für das Deutsche Sportabzeichen machen. Der Fitnessorden wird unter Palmen in der Karibik und im afrikanischen Busch verliehen. Auch in der deutschen Schule in der nigerianischen Hauptstadt Abuja wird seit über zwanzig Jahren das Deutsche Sportabzeichen abgenommen.
„Wir fangen gleich im Januar an. Dann ist hier Trockenzeit und wir können sicher gehen, dass wir nicht nass werden“, sagt der Lehrer und Sportabzeichenprüfer Ulrich Lüdemann. Bei Temperaturen an die 40 Grad Celsius ist zwar Schwitzen angesagt, doch die knapp hundert Schüler der Firmenschule der deutschen Baufirma Bilfinger Berger AG legen sich ordentlich ins Zeug, um die begehrten Abzeichen zu erringen.
Ulrich Lüdemann scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, den deutschen Fitnessorden in die Welt zu tragen. Als Lehrer war er auf fast allen Kontinenten tätig und hatte stets das Deutsche Sportabzeichen im Gepäck. 1979 bis 1982 lehrte er in Kolumbien an der Deutschen Schule in Bogota und Mitte der 80iger-Jahre war er im Irak an den deutschen Schulen in Basrah und Rutba tätig. Seit 1987 ist er in Abuja im Herzen Nigerias und hat schnell Schüler, Eltern und Lehrer für das Deutsche Sportabzeichen begeistern können.
Große soziale Bedeutung des Sports
Insgesamt hat er in Abuja inzwischen weit über 700 Sportabzeichen abgenommen. An der Schule finden die Prüfungen im Rahmen des Sportunterrichtes statt. Für die Erwachsenen, Lehrer und Angehörige der Firma, wird jedes Jahr im Oktober ein großes Sportevent auf die Beine gestellt. Sport spielt im Leben der Deutschen in Abuja eine sehr große Rolle. Hier kommen die Menschen zusammen. Trotz anderthalb Millionen Einwohner bietet die Stadt kaum kulturelle Angebote oder alternative Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Das einzige Kino war lange Zeit geschlossen und wurde erst kürzlich wieder eröffnet. „Vor einem Monat gab es in Abuja einen Opernabend. Wenn die Deutsche Botschaft so eine Veranstaltung auf die Beine stellt, ist das unser Jahreshighlight“, berichtet Ulrich Lüdemann.
Lebensmittelpunkt der deutschen Gemeinde ist das JBN (Julius Berger Nigeria) Life Camp. Eine beeindruckende Wohnanlage, die sich über mehrere Quadratkilometer erstreckt. Neben der Schule befinden sich hier einige hundert Einfamilienhäuser und jede Menge Sportmöglichkeiten: drei Tennisplätze, ein großer Rasenfußballplatz, Basketball- und Beachvolleyballfelder, Tischtennisplatten und Poolbillardtische. Zwei Pools laden zum Abkühlen ein, einer bietet mit vier 25-Meterbahnen optimale Voraussetzungen für die obligatorischen Prüfungen der Schwimmfähigkeit für das Deutsche Sportabzeichen.
Etwa 90 Prozent der Schüler sind Deutsche. Einige wenige kommen aus Italien, Brasilien, Österreich, Kroatien oder entstammen deutsch-nigerianischen Ehen. Über den Sport finden die Schüler auch Kontakte zu nigerianischen Altersgenossen. Fast wöchentlich finden sportliche Begegnungen mit lokalen oder anderen internationalen Schulen statt. Ulrich Lüdemann hat oft darüber nachgedacht, die Schüler nigerianischer Schulen auch einzuladen, um das Deutsche Sportabzeichen abzunehmen. „Die meisten würden das Abzeichen jedoch nicht schaffen, weil sie nicht schwimmen können“, räumt er ein. Die Sportabzeichenabnahme an der Firmenschule ist weit und breit die einzige in der Region. Deshalb und wegen des großen Anklanges in der deutschen Community will Ulrich Lüdemann die lange Tradition des Deutschen Sportabzeichens in Abuja fortsetzen.









