Toller Start für mehr Inklusion

02.07.2014

Die Sportabzeichen-Tour in Kiel hat für gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderung geworben.

Die Sportabzeichen-Tour am 2. Juli in Kiel war für den DOSB und seine Kooperationspartner DBS und SOD der Auftakt für ein dreijähriges Projekt, um beim Deutschen Sportabzeichen mehr Inklusion zu schaffen. Finanziell wird es von der Aktion Mensch e.V. unterstützt. (Fotos: Meike Engels)

Traumhaftes Sportwetter hat heute (2. Juli) die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Sportabzeichen-Tour im Sportforum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) begrüßt. Weitgehend blauer Himmel, eine leichte Brise und Temperaturen um die 20 Grad bedeuteten optimale Bedingungen für die Prüfungen zum Deutschen Sportabzeichen, bei denen rund 1.800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene antraten. Der inhaltliche Schwerpunkt beim Tourstopp in Kiel lag auf dem Thema Inklusion, dem sportlichen Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap. Ganz wichtig war es den Organisatoren deshalb, dass es keine getrennten Prüfstationen für alle mit und ohne Behinderung gab, sondern dass sie an denselben Stationen miteinander ihr Sportabzeichen ablegen konnten.

Sport als Chance für mehr Inklusion

Um 8 Uhr morgens ging es mit dem gemeinsamen Aufwärmen los und hier durften natürlich auch die prominenten Sportbotschafter nicht fehlen. Markus Rehm, der Goldmedaillengewinner im Weitsprung bei den Paralympics in London 2012 und der frühere Weltklasse-Stabhochspringer Danny Ecker kamen für die Sparkassen-Finanzgruppe nach Kiel. Frank Busemann, der Zweite im Zehnkampf bei den Olympischen Spielen von Atlanta 1996, war als Botschafter für kinder+Sport dabei. Beide Unternehmen gehören gemeinsam mit Ernsting’s family und der Krankenkasse BKK 24 zu den Nationalen Förderern des Deutschen Sportabzeichens.

Als Ehrengast des Landessportverbandes Schleswig-Holstein war die mehrfache Paralympics-Gewinnerin im Schwimmen Kirsten Bruhn eingeladen. Auch sie wollte ein Zeichen für mehr Inklusion setzen: „Inklusion ist so wichtig wie die Luft zum Atmen. Die kleinste Einheit für Inklusion ist die Familie und es ist nicht so, dass die Behinderten von den Nicht-Behinderten lernen, sondern umgekehrt“, sagte sie beim Pressegespräch.

Zuvor hatte DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers schon das Ziel unterstrichen, beim Sportabzeichen mehr Impulse für Inklusion zu setzen: „Das Deutsche Sportabzeichen und die Sportabzeichen-Tour sind ein Erfolgsprojekt. Wichtige Themen wie Inklusion sind hier genau in den richtigen Zusammenhang gesetzt. Wir stehen beim Thema Inklusion zwar noch am Anfang, aber ich bin sicher, dass die Veranstaltung hier in Kiel ein guter Start ist.“ Außerdem bedankte sie sich bei Günter Schöning, dem Vorsitzenden des Sportverbands Kiel und Hans-Jakob Tiessen, dem Präsidenten des Landessportverbandes Schleswig-Holstein, für die gute Vorbereitung der Veranstaltung stellvertretend für das gesamte Organisationsteam. Hans-Jakob Tiessen sagte bei der Eröffnung: „Inklusion ist die zentrale Zukunftsaufgabe des LSV.“

Barrieren abbauen

Die Sportabzeichen-Tour in Kiel war der Auftakt für ein dreijähriges Projekt, bei dem der DOSB in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Behindertensportverband und Special Olympics Deutschland überprüfen will, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam für das Deutsche Sportabzeichen trainieren und es gemeinsam ablegen können. Wissenschaftlich begleitet und ausgewertet wird es von Sportwissenschaftlern der Uni Kiel unter der Leitung von Professor Doktor Manfred Wegner. Finanziell gefördert wird das Projekt von der Aktion Mensch e.V.

„Wir kümmern uns darum, dass Barrieren auch in den Köpfen abgebaut werden. Sport hat die Möglichkeit, das Thema Inklusion von Anfang an auf Augenhöhe voranzubringen“, sagte Erol Celik von der Aktion Mensch e.V. Professor Manfred Wegner betonte: „Behinderte Athleten können über den Sport ihren Selbstwert steigern. Es ist wichtig, weiter Schonräume für sie zu erhalten, wie den Deutschen Behindertensportverband und Special Olympics Deutschland. Aber es ist gleichzeitig wichtig, eine gemeinsame Ebene der Inklusion zu finden. Der Gedanke: ‚Ich trainiere für das Deutsche Sportabzeichen, ich habe ein Ziel‘ ist besonders in den Werkstätten angekommen.“

Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, sagte: „Wir entwickeln unter dem Dach des DOSB gemeinsam mit Special Olympics Deutschland einen Index für Inklusion mit und durch Sport.“ Detlef Parr, Vizepräsident von Special Olympics Deutschland, forderte: „Wir brauchen in den Sportvereinen eine Öffnung für Menschen mit geistiger Behinderung. Für die Vereine kann das sehr beglückend sein, weil die Menschen mit geistiger Behinderung so direkt, so spontan und so ehrlich sind.“

Goldene Hochzeit für Frank Busemann

Gleich nach dem Pressegespräch mit dem Schwerpunkt Inklusion sorgte ein Promilauf für sportliche Hochspannung. Die Sportbotschafter traten im 50-Meter-Sprint gegeneinander an, auch DOSB Maskottchen Trimmy und Hein Daddel, das Maskottchen vom THW Kiel, lieferten sich ein Duell. Markus Rehm kam als erster ins Ziel vor Frank Busemann und Danny Ecker. Als letzter überquerte Trimmy, der sich Hein Daddel geschlagen geben musste, die Ziellinie.

Die Sportler taten aber auch außerhalb ihres eigenen Wettkampfes ihr Bestes, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Deutschen Sportabzeichen zu unterstützen. Auf die Frage, warum er als aktiver Leistungssportler bei einer Breitensportveranstaltung dabei sei, sagte Markus Rehm: „Der Breitensport ist die Basis für den Leistungssport, um Talente zu entdecken. Ich habe heute hier schon viele Kids mit und ohne Handicap gesehen, die Potenzial haben.“ Auch Danny Ecker genoss es, dass die Kinder ihm nicht schüchtern gegenüber traten, sondern ganz offen auf ihn zugingen: „Es ist schön zu sehen, dass es den Kindern sehr viel Freude macht, sich zu bewegen und wie einfach sie zu begeistern sind.“ Ein besonderes Jubiläum konnte Frank Busemann als Botschafter von kinder+Sport feiern: „Die Veranstaltung hier in Kiel ist mein 50. Einsatz bei der Sportabzeichen-Tour. Ich habe heute also so etwas wie goldene Hochzeit“, erklärte er mit einem Lächeln.

Bis 14 Uhr waren die Prüfstationen für Schulen, Kitas und Behinderten-Werkstätten reserviert. Danach konnten bis 17 Uhr auch alle anderen ihre persönliche Fitness beim Deutschen Sportabzeichen testen. Für alle Kinder und Jugendlichen gab es an der Fotostation von kinder+Sport kostenlose Erinnerungsfotos davon fürs Familienalbum, geknipst von Profifotografen.

Viel Andrang herrschte den ganzen Tag über bei den Aktionsmodulen der Nationalen Förderer. Wer seine Schnelligkeit und Koordination trainieren wollte, war bei der T-Wall und beim Zielwerfen der Sparkassen-Finanzgruppe an der richtigen Adresse. Beim Schnuppermobil des Deutschen Tischtennisbundes konnte die Sportabzeichenprüfung im Bereich Koordination abgelegt werden.

Die Förde Sparkasse hatte ein Glücksrad dabei und erfrischte alle Gäste an der Wasserbar. Aber auch der Getränkepartner BIONADE schenkte kostenlos Getränke aus seinem Angebot aus und beim regionalen Partner der Sportabzeichen-Tour in Kiel coop Schleswig-Holstein gab es Obst und „Unser Norden“-Wasser.

Über die Vorteile des Deutschen Sportausweises konnten sich die Besucherinnen und Besucher an einem Stand informieren. Die Krankenkasse BKK 24 präsentierte die Sportabzeichen-App von splink, bei der man unter anderem sein ganz persönliches Training für das Deutsche Sportabzeichen nachvollziehen kann.

(Quelle: wirkhaus)