"Paul der Motivator" - 35 Sportabzeichen trotz Behinderung

Wenn es nach ihm ginge, dann würde er mit 82 Jahren auch noch sein 36. Sportabzeichen ablegen. Leider spielt die Gesundheit nicht mehr mit. Der Sport war für Paul Ruge immer ein wichtiger Teil seines Lebens. Daran konnte auch die Granate nichts ändern, die 1943 im Einsatz als Soldat neben ihm explodierte. Seitdem fehlt ihm der rechte Unterarm und auch die Beine sind durch zahlreiche stark bewegungseingeschränkt.

Paul Ruge ist einer von vielen Menschen, die sich von ihrer Behinderung nicht haben unterkriegen lassen und mit einer "jetzt erst recht!"-Einstellung sportlich aktiver sind und waren als so mancher gesunde Mensch. Das Sportabzeichen ist wie ein roter Faden, der sich durch Ruges Sportlerleben zieht.

Gemeinsam zum Versehrtensport
Als Ruge nach dem Krieg einen alten Schulfreund wiedertraf, der ebenfalls kriegsversehrt war, beschlossen beide, dass es Zeit war, wieder in Bewegung zu kommen, trotz körperlicher Einschränkungen. Das Ziel war der Versehrtensportverein in Kiel. "Mensch komm doch mal mit, sagte mein Schulkamerad und so bin ich da 1952 eingetreten." Ballspiele und Gymnastik standen zuerst im Mittelpunkt.

Das Sportabzeichen war mein Ziel
Doch Paul Ruge brauchte ein Ziel, auf das er hintrainieren konnte. Und dieses Ziel fand er im Deutschen Sportabzeichen. "Das Abzeichen ist so vielseitig, wegen seiner verschiedenen Disziplinen. Man trainiert nicht nur eine Sportart. Das hat mich einfach gereizt". 1957 konnte sich Paul Ruge dann das erste Sportabzeichen ans Revers heften. Seitdem hat der Ehrgeiz ihn nicht mehr losgelassen. Bis ins Jahr 2000, wo Ruge sein 35. und letztes Sportabzeichen ablegte.

Vom Sport zum Ehrenamt
Je mehr sich Ruge sportlich ins Zeug legte, desto mehr begann er sich auch für andere zu engagieren. "Durch sportlichen Fleiß bin ich aufgefallen und da hieß es plötzlich: Mensch mach Du mal 'ne Übunsgleiterausbildung!". Die nahm er in Angriff und begann schließlich 1975 damit, selbst als Prüfer das Sportabzeichen abzunehmen, auch bei Menschen mit Behinderung. "Bis 2001 hab ich dann jeden Mittwoch im Sommer Abnahmen gemacht, für alle, ob groß ob klein, ob mit oder ohne Behinderung". Die Menschen, vor allem diejenigen, die es wegen ihrer Behinderung schwerer hatten, hat er immer wieder ermutigt, sich für das Abzeichen ins Zeug zu legen, weswegen sie ihn im TSV - Kronshagen bei Kiel auch "Paul den Motivator" nannten. Und wenn es einer mal nicht geschafft hat, dann gab Ruge extra Übungsstunden." Das Sportabzeichen ist ja auch nicht dafür da, dass man einmal im Jahr auf den Sportplatz geht. "Das reicht nicht. Dafür muss trainiert werden!"

Ausgezeichnet!
Trotz körperlicher Behinderung hat Paul Ruge sein Leben dem Sport gewidmet. Das Sportabzeichen war ihm immer ein Anreiz, noch besser zu werden und auch andere Menschen mit Behinderung zum Sporttreiben zu motivieren. Für sein ehrenamtliches Engagement hat Ruge schließlich 1980 das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommen. An der Wand hängt außerdem noch eine Anerkennung von 1991, vom damaligen Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Björn Engholm. 1992 bekam Ruge zusätzlich die goldene Ehrennadel des Deutschen Behindertensportverbandes verliehen. Heute kann er nur allen Menschen mit Behinderung raten, es ihm gleichzutun: "Das Sportabzeichen motiviert und gibt dem Sporttreiben einen zusätzlichen Sinn!"

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