Sportabzeichen für Menschen mit geistigen Behinderungen

Körperlicher Ausgleich, Motivation zum Sporttreiben und Vertrauen finden in die eigene Leistungsfähigkeit - das Deutsche Sportabzeichen richtet sich in jedem Fall auch an Menschen mit geistiger Behinderung.

Der Anreiz, das Sportabzeichen abzulegen und die damit verbundenen Aktivitäten können helfen, aus einer vermeintlichen Isolierung herauszuführen. Das Erreichen der Voraussetzungen für das Sportabzeichen: Schnelligkeit, Gewandtheit, Geschicklichkeit und Ausdauer sind außerdem mit Blick auf die köperliche Fitness für jeden Menschen erstrebenswert.

Foto: Hexal-Foundation

Das Sportabzeichen für Menschen mit geistiger Behinderung gibt es erst seit dem Jahr 2000. Zurück geht es auf eine Initiative des Sportwissenschaftlers Manfred Wegner, dem vor allem der Übungs- und Trainingsaspekt im Zusammenhang mit dem Sportabzeichen wichtig war. Das Ehrenzeichen sollte Menschen mit geistiger Behinderung durch eine regelmäßige Aktivität an den Sport heranführen. Das Sportabzeichen selbst ist dabei eher sekundäres Ziel, das am Ende die erbrachten Leistungen symbolisch würdigt und das Selbstbewusstsein der Sportler mit geistiger Behinderung fördert.

Behinderungsklassen
Für Menschen mit Behinderungen hat der Deutsche Behindertensportverband spezielle Kriterien zum Ablegen des Sportabzeichens aufgestellt. Zum einen gibt es eine Einteilung in "Behinderungsklassen" je nach Art der Behinderung. Davon abgeleitet werden bestimmte Leistungsanforderungen für den Erwerb des Sportabzeichens. Menschen mit geistiger Behinderung fallen unter die Klassen I für Lernbehinderungen und J für allgemeine geistige Behinderungen. Um die speziellen Leistungsanforderungen für das Ablegen des Sporabzeichens für Menschen mit geistiger Behinderung festzulegen, wurden Ergebnislisten von über 2000 Sportlern aus bundesweiten Sportfesten statistisch ausgewertet. Anschließend wurde ein Katalog aufgestellt, dessen Anforderungen knapp unter den gemessenen Mittelwerten liegen.

Der Weg zum Sportabzeichen
Der Weg zum Sportabzeichen für Menschen mit geistiger Behinderung führt am besten immer über den nächstgelegenen Behindertensportverein. Dort können zum Beispiel Trainingsmöglichkeiten erfragt werden. Die meisten Menschen müssen regelmäßig üben, bevor sie fit genug sind, um die Prüfungen für das Sportabzeichen zu bestehen. Für eine Zulassung zur Sportabzeichen-Prüfung müssen Bewerber mit geistiger Behinderung oder deren Begleiter den Nachweis für die entsprechende Behinderung erbringen. Das geht zum Beispiel durch eine Bescheinigung der besuchten Spezialschule oder Einrichtung. Außerdem hat der Deutsche Behindertensportverband eine Beurteilungsskala entwickelt, an der sich Vereine und Betroffene orientieren können.

Fast unverändertes Konzept
Das Grundkonzept des Sportabzeichens bleibt auch für Menschen mit geistiger Behinderung unverändert. Mit dem Erwerb des Emblems soll ein Sportler nachweisen, dass er über Schnelligkeit, Ausdauer, Schnellkraft, Sprungkraft und allgemeine Schwimmfähigkeit verfügt. Diese fünf Gruppen werden beim Ablegen des Sportabzeichens geprüft. Ein zehnjähriger Schüler mit allgemeiner geistiger Behinderung muss nach dem geltenden Leistungskatalog zum Beispiel 25 Meter schwimmen, die Weitsprungmarke von 1,80 Meter schaffen, 50 Meter in 11,5 Sekunden laufen, 14 Meter Schlagball werfen und 800 Meter in 5 Minuten 40 laufen. Während die Kategorie Schwimmen immer Pflicht ist, gibt es in den anderen vier Bereichen Möglichkeiten für Prüfer und Prüflinge, je nach Art der Behinderung alternative Übungen durchzuführen.

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"Paul der Motivator" - 35 Sportabzeichen trotz Behinderung