„Das Schönste am Sport sind die Glücksgefühle danach“ – findet Claudia Nystad.

19.07.2011

Die Langlauf-Olympiasiegerin tauscht den Schnee gegen den Strand und kommt zum Finale der Sportabzeichen-Tour in Büsum

In Vancouver holte Claudia Nystad bei den Olympischen Winterspielen 2010 mit der 4x5 Kilometer Langlauf-Staffel Silber (Foto: Claudia Nystad)

Claudia Nystad hat ihre aktive Karriere 2010 beendet (Foto: Claudia Nystad)

Claudia Nystad hat sich vor rund einem Jahr aus dem aktiven Leistungssport verabschiedet. Ihre lange erfolgreiche Karriere krönte sie bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver mit einer Goldmedaille im Teamsprint (Partnerin Evi Sachenbacher-Stehle) und einer Silbermedaille in der 4x5-km-Staffel mit Katrin Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle und Miriam Gössner. Diese Erfolge bescherten ihr im vergangenen Jahr in Sachsen den Titel „Sportlerin des Jahres 2010“.

Frau Nystad – wie haben Sie den Wechsel von der Leistungs- zur Freizeitsportlerin verkraftet?

Ich habe die letzten 15 Jahre mit sechs bis acht Stunden pro Tag extremen Ausdauersport trainiert und es wird auch noch einige Zeit dauern, bis sich mein Körper an die neue Lebenssituation anpasst. Den Wechsel zur Freizeitsportlerin habe ich noch gar nicht vollzogen. Dazu war das eine Jahr zu kurz. Ich denke, es wird noch zwei bis drei Jahre dauern. Aber ich laufe sehr gern, und insofern ist es kein Problem für mich weiter zu trainieren.

Welche Rolle spielt der Sport noch in Ihrem Leben?


Ich kann und will mir ein Leben ohne Sport gar nicht vorstellen. Ich bin in einer Wintersportgegend aufgewachsen und habe schon von klein an auf Skiern gestanden. Mit vier Jahren im Kindergarten habe ich meinen ersten Wettkampf bestritten. Im Gegensatz zu früher, wo wir zwei bis drei Mal am Tag trainiert haben, mache ich heute lediglich fünf bis sechs Mal die Woche Training. Mit dem Unterschied, dass ich nicht mehr auf Leistung trainiere und kein schlechtes Gewissen habe, wenn ich keine Zeit dazu finde.

Wie halten Sie sich fit? Was sind heute Ihre liebsten Sportarten?

Meistens gehe ich joggen, vor allem über längere Distanzen. Als frühere Langläuferin sind es gerade die Ausdauerstrecken, die mir Spaß machen. Ich mag es auch sehr, mit meinen Freunden zu klettern oder radzufahren.

Frau Nystad, Sie kommen zum großen Sportabzeichen-Tour-Finale am 18. August in Büsum. Haben Sie schon mal vom Deutschen Sportabzeichen gehört?

Ja, bei der Bundeswehr haben wir einmal im Jahr das Sportabzeichen abgelegt. Ich habe es immer geschafft, wenn auch in einigen Disziplinen mit sehr viel Mühe.

Wie können Sie Ihre Erfahrungen als erfolgreiche Langläuferin beim Sportabzeichen am besten einbringen? Bei welchen Übungen gibt es aus Ihrer Sicht die meisten Berührungspunkte?

Beim Laufen kann ich sicher Tipps geben, vor allem wenn es um Aufbautraining und Strecken, die länger als fünf Kilometer sind, geht. Ich habe als Leistungssportlerin sehr gut gelernt, meinen Körper einzuschätzen.

Zuschauen ist langweilig – mitmachen hält fit – so könnte man das Motto für die Sportabzeichen-Tour zusammenfassen. Werden Sie in Büsum auch selbst Prüfungen für das Sportabzeichen versuchen?

Das wird sehr interessant, ich mache natürlich mit. Da ich derzeitig Wirtschaftsinformatik (an der HFTL in Leipzig) studiere und gerade Prüfungszeit habe, kann ich erst danach für das Sportabzeichen trainieren. Meine schwächsten Disziplinen sind das Schwimmen und das Werfen. Bei jedem Triathlon, den ich mitmache, steige ich als Letzte aus dem Wasser. Und beim Werfen habe ich schon in meiner Schulzeit die schlechtesten Noten eingefangen.

Außer ihnen werden noch Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler, der Olympiazweite im Zehnkampf von 1996 Frank Busemann und Kanu-Olympiasieger Andreas Dittmer in Büsum beim Finale der Sportabzeichen-Tour dabei sein. Wird es das erste Treffen mit den anderen ehemaligen Leistungssportlern sein oder kennen Sie sich schon?

Andreas Dittmer kenne ich gut. Mit ihm stehe ich regelmäßig in Kontakt, wir planen auch öfter bei Halbmarathon-Läufen mitzulaufen. Heike und Frank kenne ich noch nicht persönlich. Aber ich freue mich schon sehr, wenn ich von ihnen Tipps für Weitsprung und Kugelstoßen bekomme.

In Büsum wird besonders der Spaßfaktor beim Sport im Mittelpunkt stehen. Was macht den Spaß am Sport für Sie aus und welche Rolle spielt er für sie?

Ich weiß, dass Spaß eine ganz wesentliche Rolle spielt. Ich hatte in meiner Karriere viele Höhen und Tiefen. Wenn eine Saison schlecht lief, dann hatte ich auch immer im Vorfeld Probleme im Kopf, konnte Störendes nicht abschalten. Im Gegenteil dazu, wenn ich Erfolg hatte, dann meistens weil unsere Mannschaft schon im Sommertraining harmonierte und die Stimmung gut war. Wir haben oft gemeinsam neue Sportarten ausprobiert, welche nicht unmittelbar zu Langlauf gehörten – wie Paddeln, Klettern oder Turnen. Diese Freude hat sich dann auf die gesamte Saison übertragen. Wenn der Spaß fehlt, dann blockiert man sich psychisch selbst. Spaß öffnet den Kopf und den Geist.

Die Sportabzeichen-Tour will auch dafür werben, dass Sport ein Plus an Lebensqualität bringt – egal in welchem Alter. Wie sehen Sie das?

Das stimmt. Das Schönste am Sport ist das Gefühl danach, wenn man die ausgelösten Glückshormone genießen kann. Man hat geschwitzt, sich angestrengt – und fühlt sich hinterher meist fitter als davor. Beim Leistungssport ist dies allerdings eine Gratwanderung. Da gibt es durchaus Perioden, wo man sich wochenlang nicht in Form fühlt. Allerdings lernt man dabei auch viel: wie zum Beispiel gute Zeiteinteilung oder dass man etwas anfangen muss, statt es immer aufzuschieben, genauso wie Durchhaltevermögen. Für mich wird Sport immer Lebensfreude bedeuten und er hat mir bisher sehr viel zurückgegeben. Und Sporttreiben kann und werde ich auch Jedem empfehlen.