Ein Sportidol zum Anfassen für den Tour-Stopp in Augsburg

25.07.2012

Der frühere Weltklasseathlet Frank Busemann begleitet für kinder+Sport schon im vierten Jahr die Sportabzeichen-Tour.

"Die Sportabzeichen-Tour zeichnet sich durch ein hohes Maß an Qualität aus", Frank Busemann

Herr Busemann, am 27. Juli macht die Sportabzeichen-Tour in Augsburg Station. Sie haben diesmal einen kleinen Heimvorteil, denn Sie haben schon im Vorfeld mit der 6. Klasse der Mädchenrealschule St. Ursula trainiert. Kamen beim Besuch im Sportunterricht Erinnerungen an die eigene Schulzeit hoch?

Also es waren 32 Mädels bei dem Probetraining dabei und ich habe eine ganze Doppelstunde gebraucht, um zu bemerken, dass auch Zwillinge in der Klasse sind –  aber im Ernst: ich habe schon gestaunt, wie fit die waren. Die Mädchen waren alle ziemlich gut. Da war ich wirklich überrascht. Sie haben mir dann verraten, dass das an ihrer tollen Sportlehrerin liegt, die so gut mit ihnen trainiert. An den eigenen Sportunterricht hat mich eigentlich nur das Herumsuchen im Geräteraum erinnert.

Hatten Sie im Sport immer eine 1, also „sehr gut“?

Ja. Nur in der 11. Klasse hat der Sportlehrer mir genau wie allen anderen ein „gut“ gegeben, weil er meinte, die Zeit wäre zu kurz, um differenzierter zu benoten. Da war dann mein Vater kurz danach bei ihm, um nachzufragen, wie das sein kann. Das hat aber nichts an der Meinung des Lehrers geändert. Doch als wir uns dann nach zehn Jahren bei einem Schulfest wieder trafen, haben wir uns gemeinsam kaputt gelacht, weil ich ja inzwischen bei den Olympischen Spielen in Atlanta bei den Vielseitigkeitsprüfungen ganz gut abgeschnitten hatte.

Sie haben es zwar vorhin schon angesprochen, aber vielleicht können wir noch mal ins Detail gehen, wie war Ihr Eindruck - wie fit sind die Schülerinnen, mit denen Sie trainiert haben?

Wir haben 50-Meter-Sprints gemacht, dann Weitsprung – in den Disziplinen waren wirklich alle gut. Nur beim Werfen gab es ein paar, die Probleme hatten. Aber das liegt in der Natur der Sache. Werfen fällt Mädchen immer ein bisschen schwerer als Jungs.

Gibt es aus Ihrer Sicht unsportliche Kinder?

Es gibt im Sport genau wie in allen anderen Schulfächern talentfreie Kinder. Damit meine ich aber nicht, dass nicht alle Kinder Lust und Spaß an Bewegung haben. Aber genau wie dem einen Mathe schwer fällt, hat der andere eben beim Sport Schwierigkeiten – ist dafür aber beim Rechnen, Schreiben oder Malen ganz toll. Das wird uns in die Wiege gelegt. Wenn es keine unsportlichen Kinder gäbe, dann müssten wir im Sportunterricht auch keine Leistungsbewertung machen.

Wie kann man Kinder motivieren und fördern, die bei der Leichtathletik oder beim Schwimmen nicht sofort die nötigen Ergebnisse erreichen und das Sportabzeichen nicht auf Anhieb schaffen?

Indem man den Schwerpunkt auf die Leistungsverbesserung legt. Also wenn jemand beim Weitsprung zum Beispiel am Anfang nur 2,30 Meter schafft und sich dann auf 2,50 Meter verbessert, dass man dann lobt und diese Verbesserung wertschätzt. Also, dass die Kinder spüren, dass man ihren Einsatz anerkennt und nicht sagt, das hat keinen Zweck, das schaffst Du nie. Aber – das habe ich auf der Sportabzeichen-Tour immer wieder erlebt – hier ist der Klassenverband oft eine große Hilfe. Da werden gerade die schwächeren Kinder angefeuert und unterstützt.

Den Lehrern und Trainern würde ich raten, dass sie sich bei der Leistung auf einzelne Bausteine konzentrieren und hier positive Ansätze loben und fördern. Ich habe es zum Beispiel einmal bei einer Gruppe Halbstarker auf der Tour so gemacht, dass ich den, der beim Kugelstoßen die geringste Weite geschafft hatte, aufs Podium gestellt habe und den anderen gesagt habe, dass er von allen die beste Technik hat. Die Weite hat er nur deshalb nicht geschafft, weil es ihm an Kraft fehlte – da haben die ganz schön gestaunt. Aber als ich ihnen das im Detail erklärt habe, da haben sie es akzeptiert und mit dem Sprücheklopfen aufgehört.

Worauf freuen Sie sich in Augsburg besonders?

Natürlich freue ich mich darauf, die Mädels von St. Ursula wiederzusehen. Die hatten inzwischen auch ein schulinternes Sportfest. Da interessiert mich natürlich auch, wie sie abgeschnitten haben und wie es gelaufen ist.

Warum macht es Ihnen so viel Spaß, bei der Sportabzeichen-Tour dabei zu sein? Immerhin ist es Ihr viertes Jahr als Botschafter von kinder+Sport.

Es ist genau die Verbindung, etwas mit Sport und Kindern zu tun zu haben. Sport hat mich ja mein Leben lang begleitet, und der Umgang mit Kindern ist so schön, weil sie die Gelegenheit zum Sport so dankbar annehmen. Ich habe noch nie erlebt, dass die Kinder gesagt hätten, das ist alles Quatsch hier und warum machen wir das. Nein, sie freuen sich über die Gelegenheit sich auszuprobieren und haben richtig Ehrgeiz. Das geht manchmal so weit, dass Tränen fließen, wenn man die eigenen  Erwartungen nicht erfüllt. In Niefern-Öschelbronn musste ich zum Beispiel einen Jungen trösten, der den Start beim Sprint einfach verpennt hatte und dann die Strecke in 9,6 Sekunden lief. Damit hatte er die Norm von 9,9 Sekunden zwar noch geschafft, aber er hätte locker unter 9 Sekunden laufen können, deshalb war er so enttäuscht.

Ist jeder Tour-Stopp anders – oder gibt es immer ein großes Sportfest?

Die Sportabzeichen-Tour zeichnet sich insgesamt durch ein hohes Maß an Qualität aus. Das gilt für die Rahmenbedingungen und die Organisation. Das, was das Besondere ausmacht, das sind die persönlichen Eindrücke und Emotionen, die ich mitnehme, vor allem durch die Begegnung mit Menschen, wie dem Jungen aus Baden-Württemberg.

Herr Busemann, vielen Dank!


(Quelle: wirkhaus)