Ein Vorbild in Sachen Inklusion

14.07.2015

Menschen mit und ohne Behinderung stellen sich beim Tourstopp in Bremen am 14. Juli der Herausforderung Sportabzeichen

Marko Schaaf (rechts) und Eduard Merkel (links) von der Leichtathletikgruppe des Martinshofs waren mit Trainer Guido Häger (Mitte) bei der Sportabzeichen-Tour in Bremen am Start.

Menschen mit und ohne Behinderung konnten im Stadion Obervieland ihr Sportabzeichen ablegen.

Auch ein heftiger Regenschauer konnten ihn nicht abschrecken: Innen- und Sportsenator Ulrich Mäurer (vorne links) trat beim 3.000-Meter-Lauf an. (Alle Fotos: Jörg Obernolte)

Bis vor sechs Wochen hat Marko Schaaf sich noch nicht mit dem Deutschen Sportabzeichen beschäftigt. Dann fing der 38-Jährige mit geistigem Handicap an, im Martinshof zu arbeiten, einer Behinderteneinrichtung in Bremen. Dort lernte er Guido Häger kennen, der ihn als Ergotherapeut und Übungsleiter für Behindertensport für seine Leichtathletikgruppe begeistern konnte.
Weil er erst so kurz trainiert, wollte Marko eigentlich heute am 14. Juli bei der Sportabzeichen-Tour in Bremen noch gar nicht an den Start gehen. Insgesamt waren rund 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit und und ohne Behinderung dabei. Dann ließ er sich doch von Guido Häger überzeugen und schaffte gleich morgens um 10 Uhr die Prüfung im Weitsprung. Er kam auf 2,15 Meter. Danach war er stolz und kaum noch zu bremsen. Marko wollte unbedingt weitere Disziplinen für das Deutsche Sportabzeichen machen.

Rein in die Sportvereine

„Ein Tag, wie die Sportabzeichen-Tour am 14. Juli, bei der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam ihr Sportabzeichen ablegen ist wichtig“, findet Guido Häger: „Raus aus den Werkstätten, rein in die Sportvereine – das ist topp“, fasst der Ergotherapeut vom Martinshof zusammen.
Seine Leichtathletikgruppe, mit der er im Stadion Obervieland dabei war, besteht aus zwölf Sportlerinnen und Sportlern mit geistiger Behinderung im Alter zwischen 25 und 47 Jahren. Alle zwei Wochen trainieren sie zusammen auf dem Gelände von Tura Bremen. „Es ist immer wichtig, dass man ein Ziel hat. Das Deutsche Sportabzeichen ist ein Wettbewerb der Leichtathletik. Da steckt das Ziel schon drin“, meint Guido Häger. Jeder, der antritt, möchte die Prüfungen schließlich auch schaffen. Und egal ob mit oder ohne Behinderung, wer am Ende das Sportabzeichen in der Hand hält, empfindet das als persönliche Anerkennung.

„Laufen, Werfen, Springen – die Sportlerinnen und Sportler, mit denen ich heute hier bin, die können alles, was auch die anderen können. Sie machen das nur auf ihre eigene Art, etwas langsamer als Menschen ohne Behinderung“, beschreibt Guido Häger die Möglichkeiten seiner Gruppe. „Wichtig ist an einem solchen Tag nur, dass am Ende alle zufrieden sind, auch die, die das Sportabzeichen nicht schaffen. Wenn es einer nicht schafft, dann bau‘ ich den wieder auf. Dann schafft er es eben beim nächsten Mal“, sagt Guido Häger über seine Funktion als Trainer. „Klar sind auch welche dabei, die ehrgeizig sind. Aber sie kennen auch ihre Stärken und Schwächen und können damit umgehen.“

Bremen als Vorreiter bei Inklusion

Zweimal im Jahr organisiert der LSB Bremen zentrale Prüfungstermine für das Deutsche Sportabzeichen, an denen auch behinderte Sportfans teilnehmen können. Sie finden auf „Platz 11“, dem Spielort der Frauen- und der U-23-Mannschaft von Fußball-Bundesligist Werder Bremen statt. Erst im Juni haben Guido Häger und seine Leichtathleten die Chance genutzt, dort Teile ihrer Sportabzeichen-Prüfungen abzulegen.
„Bremen hat mit dem Thema Inklusion Tradition und ist Vorbild für andere“, betonte Dr. Karin Fehres, Direktorin Sportentwicklung im DOSB, bei der offiziellen Eröffnung. Sie bedankte sich beim gesamten Organisationsteam unter Federführung von Gabriele Vogel vom Landessportbund Bremen mit allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Die Vorsitzende von Special Olympics Bremen, Ingelore Rosenkötter, sagte, wenn sie in die Gesichter blicke, sehe sie bei Menschen mit und ohne Behinderung, wie sehr sie sich freuen und wie stolz sind. Ihre Vision sei es, dass alle so trainieren und Sport treiben können, wie es ihren Möglichkeiten entspricht und sie sehe bei der Sportabzeichen-Tour in Bremen ganz viel von dieser Vision umgesetzt.

Ein sportlicher Geburtstag

Auch Sport- und Innensenator Ulrich Mäurer zeigte sich an seinem 64. Geburtstag und seinem letzten Tag als Sportsenator von seiner sportlichen Seite. Trotz strömenden Regens trat er am Vormittag beim 3.000-Meter-Lauf an und schaffte mit 17,10 Minuten eine Wertung, die für das Deutsche Sportabzeichen in Gold reichte.

Unterstützt wurde er wie alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von lauten Anfeuerungsrufen und vom Klatschen der Zuschauer sowie von den prominenten Sportbotschaftern. Der Rekordhalter im Stabhochsprung in der Halle Danny Ecker war für die Sparkassen-Finanzgruppe in Bremen dabei, Stunt- und Actionmodel Miriam Höller für Ernsting’s family. Beide Unternehmen sind Nationale Förderer des Deutschen Sportabzeichens, ohne die die Sportabzeichen-Tour nicht umzusetzen wäre.

(Quelle: wirkhaus)