„Ernährung und Sport sind ganz eng miteinander verbunden“

27.07.2012

Die Ernährungswissenschaftlerin Corinna Benkel im Gespräch zum Halt der Sportabzeichen-Tour 2012 in Niefern-Öschelbronn.

"Ohne eine gute Ernährung kann niemand im Sport gute Leistungen bringen" - Corinna Benkel

Corinna Benkel ist Diplom-Ökotrophologin beim Landwirtschaftsamt im Landratsamt Enzkreis und setzt sich als Koordinatorin für die Landesinitiative BeKi besonders für eine gesunde Ernährung von Kindern ein. BeKi steht für „Bewusste Kinderernährung“ und ist eine Landesinitiative des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Die Ernährungswissenschaftlerin war beim Tour-Stopp des Deutschen Sportabzeichens in Niefern-Öschelbronn vor Ort. Im Gespräch erzählt sie, warum ihr das Schwerpunktthema „Sport und Ernährung“ so am Herzen liegt.


Der thematische Schwerpunkt des Sportabzeichen-Tourstopps am 12. Juli war der Komplex „Sport und Ernährung“. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Ernährung und Sport sind ganz eng miteinander verbunden. Ohne eine gute Ernährung kann niemand im Sport gute Leistungen bringen, im Breitensport nicht und erst recht nicht im Leistungssport. Hinzu kommt, dass wir im Rahmen unserer Arbeit mit Kindern und Eltern immer wieder darauf hinweisen, dass Sport für die Entwicklung des Kindes, für sein Wohlbefinden und für seine Entwicklung äußerst wichtig sind. Zudem haben wir in Deutschland ein Übergewichtsproblem, von dem leider Kinder genauso stark betroffen sind wie Erwachsene. Um Übergewicht gar nicht erst auftreten zu lassen oder es zu verringern, ist Bewegung, also auch Sport bei unserer Ernährungsweise im Grunde unerlässlich.

Unter den mehr als 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren besonders viele Kinder und Jugendliche. Warum ist die richtige Ernährung und eine ausreichende Bewegung gerade für diese Altersgruppe so wichtig?

Im Kindesalter erlernen wir unser Verhalten, egal, ob es die Ernährung ist, die Bewegung bzw. der Sport oder das Lernen, um nur einige Beispiele zu nennen und nehmen Gewohnheiten an, die wir oft unser Leben lang nicht mehr aufgeben oder auch nicht mehr aufgeben können. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder möglichst früh eine Lebensweise erlernen und dafür auch Vorbilder finden, die ihnen ein gelingendes Leben ermöglicht.

Wie kann man Kindern und Jugendlichen Lust auf gesundes Essen machen?

Lust auf gesundes Essen bekommen Kinder und Jugendliche nur dann, wenn man ohne Zwang und ohne Verbote arbeitet. Wir möchten deshalb Lebensmittel auch nicht in „gesund“ und „ungesund“ einteilen, sondern nur darauf hinweisen, dass die Menge entscheidend ist, die man von einem bestimmten Lebensmittel essen kann. Daneben möchten wir Kindern und Jugendlichen die Vielfalt der Lebensmittel nahe bringen, aber nicht über Bücher, sondern ganz praktisch, indem sie sie zum Teil selber ernten, putzen, schneiden und verkosten. Im Klassenverband oder in Gruppen macht dies Kindern und Jugendlichen viel Spaß. So kann man sie fast spielerisch an Neues heranführen. Über die Geschmackserlebnisse und die Gemeinschaft bekommen sie somit Lust auf mehr und auf Neues.


Haben Sie beim Tag des Deutschen Sportabzeichens gute Beispiele dafür gesehen?

Ja, das haben wir. Es gab reichlich Obst, und ein belegtes Brötchen nach dem Sport als zweites Frühstück ist auch vollkommen in Ordnung. Wir haben das System auch sehr gut gefunden, über das die Kinder an die belegten Brötchen, das Obst und den Kuchen kommen konnten. D.h. wer Süßes haben wollte, der musste einfach mehr „Aktivitätspunkte“ bringen, sodass den Kindern dadurch bewusst wurde, dass man für Kuchen und Co einfach mehr Bewegung bringen muss, wenn man gesund bleiben bzw. nicht zu viel Energie aufnehmen möchte.

Was hat Sie am Tag des Deutschen Sportabzeichens in Niefern-Öschelbronn persönlich besonders beeindruckt?

Ich fand es toll, dass sich für das Thema Sport und Ernährung so viele Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler begeistert haben und gekommen sind. Es zeigt sich immer wieder, dass sich Kinder gerne und viel bewegen, wenn die Umgebung attraktiv genug ist. Und das war sie wirklich an diesem Sportabzeichentag!

Herzlichen Dank für das Gespräch.


(Quelle: Wirkhaus)