Gemeinsam lachen, gemeinsam jubeln

24.07.2015

Im Zeichen der Inklusion ist die Sportabzeichen-Tour 2015 in Rosenheim zu Ende gegangen, auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann war dabei.

Gottfried Hiller, Abteilungsleiter Sportabzeichen beim Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern. Der 76-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen. (Foto: privat)

Schon beim gemeinsamen Aufwärmen war die Stimmung in Rosenheim super. (Foto: Tom Weber)

In Rosenheim machten behinderte und nicht behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam die Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen. Ganz links: Stunt- und Actionmodel Miriam Höller (Sportbotschafterin Ernsting's family). (Foto: Tom Weber)

Mittendrin beim Finale der Sportabzeichen-Tour: DOSB-Präsident Alfons Hörmann (Foto: Meike Engels)

Für Gottfried Hiller ist das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen eine Herzensangelegenheit. Der 76-Jährige aus Parsberg in der Oberpfalz ist Abteilungsleiter Sportabzeichen beim Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern und durfte beim großen Inklusionsfinale in Rosenheim am 24. Juli natürlich nicht fehlen.

Mit zwölf Jahren hatte er auf dem Bauernhof seiner Eltern einen Unfall. Seitdem ist sein linkes Kniegelenk versteift. Weil er ein sehr aktives Kind war, hat er sich schon immer gerne bewegt. Auch bei der Landwirtschaft hat er mitgeholfen. Obwohl die Ärzte ihm damals empfohlen haben, das Knie nach dem Unfall nicht mehr zu belasten, hat er sich nicht daran gehalten. Zum Glück, wie er findet. Denn Gottfried Hiller war seiner Zeit voraus. Heute raten die Ärzte in ähnlichen Fällen nämlich dazu, sich weiter zu bewegen.

In Bayern legen immer mehr Menschen mit Behinderungen ihr Sportabzeichen ab

„In der Oberpfalz werden jedes Jahr die meisten Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen in ganz Bayern abgelegt“, sagt Gottfried Hiller bei der Sportabzeichen-Tour in Rosenheim nicht ohne Stolz. Vielleicht noch mehr freut es ihn, dass in Bayern insgesamt ein starker Anstieg bei den Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen zu verzeichnen ist.

Er selbst macht unermüdlich Werbung dafür; besucht Sportvereine, Förderzentren und Werkstätten, um sie für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen zu gewinnen. „Wenn man es einmal geschafft hat, dann wird es zum Selbstläufer“, erzählt er. „Die Menschen mit Behinderungen, die einmal ihr Sportabzeichen gemacht haben, machen auch weiter.“ Dabei geht es ihnen vor allem darum, die eigene Fitness zu testen und nicht so sehr um den Wettkampf mit anderen, so Hiller.

Auch für ihn persönlich ist der Sport wichtig. Seit 39 Jahren legt er jedes Jahr das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen ab. Dreimal in der Woche steht er als Übungsleiter für Kegeln und Herzsport in der Turnhalle, außerdem geht er Schwimmen und fährt gerne Fahrrad.

„Mir war es schon immer wichtig, dass jeder das Deutsche Sportabzeichen ablegen kann, egal ob mit oder ohne Behinderung“, sagt Gottfried Hiller, der auch an der Ausarbeitung der Kriterien für das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen beteiligt war und Prüfer dafür qualifiziert. Dabei legt er besonderen Wert darauf, dass sie mit den Klassifizierungen zurechtkommen. Der Regelkatalog für Menschen ohne Behinderungen hat zwei Seiten, der für Menschen mit Behinderungen 138 Seiten.

Berührungsängste abbauen

Gemeinsam liefen, sprangen und warfen Kinder mit und ohne Behinderungen für ihr Sportabzeichen beim großen Sportabzeichen-Tour-Finale in Rosenheim.
„100 Jahre nach dem Start des Sportabzeichens war es dringend Zeit, die Behindertensportler in das Konzept zu integrieren“,  unterstrich der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, die Wichtigkeit des Mottos der gemeinsamen Teilhabe, der sich Deutschland in der UN-Behindertenrechtskonvention verschrieben hat.

Er bedankte sich beim gesamten Organisationsteam unter Federführung von Marion und Walter Mayr und Birgit Dethlefsen vom BLSV sowie bei  Michael Eimansberger vom BLSV-Sportkreis Rosenheim mit allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Paralympics-Stars als Vorbilder

„Bei solchen Veranstaltungen sieht man ganz deutlich, dass die Nichtbehinderten am Anfang Berührungsängste besitzen, die dann allmählich durch den Sport abgebaut werden“, sagte der 16-fache Paralympics-Gewinner im Skirennsport Gerd Schönfelder, der als Botschafter für die Sparkassen-Finanzgruppe vor Ort war. „Die Behinderung verschwindet allmählich.“
Auch Frank Busemann, der Silbermedaillengewinner im Zehnkampf von Atlanta 1996, als Botschafter für kinder+Sport und Stunt- und Actionmodel Miriam Höller für Ernstings’s family feuerten die Kinder an und sparten nicht mit Tipps. Alle drei Unternehmen sind Nationale Förderer des Deutschen Sportabzeichens, ohne deren Unterstützung die Sportabzeichen-Tour nicht umzusetzen wäre. Rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter 650 Kinder und Jugendliche, machten am Freitag im Jahnstadion Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen.

Gleich acht Paralympics-Starter ließen nichts unversucht, damit die Kinder nicht nur die sportlichen Hürden nehmen konnten, sondern sich auch gleichberechtigt fühlten. An der Spitze stand neben Gerd Schönfelder die mehrmalige Paralympics-Siegerin im Schwimmen, Kirsten Bruhn als DOSB-Botschafterin. Aus der aktuellen Paralympics-Skisport-Mannschaft waren Anna-Lena Forster, Anna Rothfuß, Anna Schaffelhuber, Bernhard Kleinheinz, Georg Kreiter und Thomas Nolte dabei.

Die Veranstaltung in Rosenheim war eine von vier Tour-Stationen mit dem Schwerpunkt Inklusion. Sie sind Teil eines auf drei Jahren angelegten Projektes des DOSB, das von der Aktion Mensch gefördert und gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband, Special Olympics Deutschland und dem Deutschen Gehörlosen-Sportverband durchgeführt wird.

(Quelle: wirkhaus)