Hoch motiviert und top fit

16.07.2015

Erik Schillings, 43 Jahre, Down-Syndrom, nimmt Kurs auf das Sportabzeichen in Gold

Erik Schillings möchte dieses Jahr das Sportabzeichen in Gold schaffen. Beim Medizinballweitwurf sicherte er sich mit 8 Metern die entsprechende Wertung.

Harald Kustermann wurde nach dem Staffellauf von Frank Busemann an der Ziellinie in Empfang genommen.

Drei Mannschaften mit je einem Maskottchen, einem Sportbotschafter und einem Rollstuhlfahrer waren in Kaiserslautern beim inklusiven Staffellauf am Start. (alle Fotos: Treudis Naß)

„Ich freue mich auf alle Sportarten. Aber am besten gefällt mir das Laufen. Ich bin sehr schnell“, sagt Erik Schillings, noch bevor er heute Morgen (16.07.) bei der Sportabzeichen-Tour in Kaiserslautern seine erste Prüfung für das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung abgelegt hat.

Danach ging es für ihn und seine 15 Kolleginnen und Kollegen aus den Pirminius-Werkstätten (Pirmasens) der Heinrich-Kimmle-Stiftung zuerst zum Medizinballweitwurf. Dort schaffte Erik mit acht Metern die Wertung für das Sportabzeichen in Gold. Das ist auch sein großes Ziel: Im vergangenen Jahr hat der 43-Jährige das Sportabzeichen in Silber abgelegt, in diesem Jahr möchte er noch besser abschneiden. Die Vorzeichen sind gut, aber die endgültige Antwort werden zwei noch ausstehende Prüfungen geben.

Ein toller Tag

Zwei Stunden pro Woche trainiert er in den Pirminius-Werkstätten für das Deutsche Sportabzeichen. Und auch heute geht er bestens vorbereitet an den Start. „Ich bin nicht aufgeregt, sondern top fit. Gestern Abend bin ich um neun Uhr ins Bett gegangen und heute um fünf Uhr aufgestanden“, meint Erik selbstbewusst. Überhaupt ist Sport für ihn wichtig. Er spielt sehr gerne Fußball und ist – nach eigener Aussage - der beste Torwart der Pirminius-Werkstätten. Auch sein Trainer Jörg Semar ist überzeugt, dass Erik das Sportabzeichen schaffen wird.

Bei Temperaturen bis zu 35 Grad musste die Prüfung im Bereich Ausdauer für heute allerdings gestrichen werden. Im 50-Meter-Lauf kam Erik mit 9,52 Sekunden ins Ziel. Einer Zeit, die ebenfalls für Gold reichte. Nur beim Weitsprung leistete er sich mit nur 1, 65 Meter einen Ausrutscher, den er aber bis Jahresende beim Hochsprung wieder ausgleichen will. Zum Abschied gab es für Erik und seine 15 Kolleginnen und Kollegen eine Urkunde und eine Medaille, wie auch für alle anderen, die in Kaiserslautern am Start waren – egal ob mit oder ohne Behinderung. Alle machten an denselben Stationen ihre Sportabzeichen-Prüfungen, feuerten sich gegenseitig an und jubelten auch gemeinsam.

„Es war ein Super-Tag. Ich bin stolz auf meine Urkunde und meine Medaille. Die kommt zusammen mit den anderen in meinem Zimmer an die Wand, gleich neben meinen Fanschal vom 1. FC Kaiserslautern“, freute sich Erik.

Staffellauf mit Sportprominenz

Insgesamt waren bei der Sportabzeichen-Tour in Kaiserslautern, die einen Schwerpunkt auf Inklusion setzte, 1.250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei, 320 von ihnen mit Behinderung. Sie alle bekamen Unterstützung von den prominenten Sportlerinnen und Sportler, die in Kaiserslautern dabei waren. Die mehrmalige Paralympics-Siegerin im Schwimmen Kirsten Bruhn kam als Botschafterin für den DOSB. Frank Busemann, der Olympiazweite im Zehnkampf von Atlanta 1996 war für kinder+Sport nach Kaiserslautern gekommen. Für Ernsting’s family war Stunt- und Actionmodel Miriam Höller dabei und der Rekordhalter in der Halle im Stabhochsprung Danny Ecker für die Sparkassen-Finanzgruppe. Alle drei Unternehmen sind Nationale Förderer des Deutschen Sportabzeichens, ohne die die Sportabzeichen-Tour nicht umzusetzen wäre.

Die prominenten Sportler gaben nicht nur Tipps für die Sportabzeichen-Prüfungen und feuerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Sie machten auch alle drei beim Staffellauf mit. Jeweils ein Sportbotschafter, ein Maskottchen und ein Rollstuhlfahrer des Ökumenischen Gemeinschaftswerks/Westpfalz-Werkstätten gingen gemeinsam an den Start. Der Sieg gehörte am Ende der Staffel mit DOSB-Maskottchen Trimmy, Frank Busemann und Harald Kustermann vor dem Team Betzi (das Maskottchen des 1. FC Kaiserslautern), Miriam Höller und Jannik Benner. Auf den dritten Platz kamen Nils Nager (Maskottchen Rheinpfalz), Danny Ecker und Dominik Jung.

Gelebte Inklusion

Bis zum späten Nachmittag herrschte beste Stimmung beim großen Inklusionsevent auf dem Sportcampus der TU Kaiserslautern. Zu den Höhepunkten gehörten auch die Fallschirmspringer, die kurz vor der Eröffnung um 10 Uhr auf dem Rasen landeten. Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, DOSB-Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung, bedankte sich beim Organisationsteam um Pierre Anthonj und Martin Hämmerle vom Sportbund Pfalz mit allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

(Quelle: wirkhaus)