Die Sportabzeichen-Tour in Blankenburg trotzt dem Regen

25.06.2013

2.200 Schülerinnen und Schüler lassen sich bei ihren Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen auch vom schlechten Wetter nicht stören.

Gute Laune beim Aufwärmen in Blankenburg (Foto: Sebastian Jochum)

Schönes Wetter kann man leider nicht bestellen, diese Erfahrung hat Sachsen-Anhalt in den vergangenen Wochen leider immer wieder machen müssen. Während die Menschen in einigen Landesteilen noch immer mit der Jahrhundertflut und ihren Folgen kämpfen, herrschten auch bei der Sportabzeichen-Tour heute am 25. Juni in Blankenburg keine idealen Bedingungen. Es regnete und war relativ kalt. Trotzdem machten die angemeldeten Schülerinnen und Schüler im Sportforum Blankenburg mit Begeisterung ihre Prüfungen in den verschiedenen Disziplinen. 

Olympiafeeling in Blankenburg

Schon beim Aufwärmen um 8 Uhr morgens gaben die prominenten Gäste aus dem Sport alles, um den Kindern und Jugendlichen beim Aufwärmen zu helfen und sie zu motivieren. Auf der Bühne machten unter anderen Rodelolympiasiegerin Tatjana Hüfner, Kugelstoßolympiasiegerin Astrid Kumbernuss als Botschafterin der BARMER GEK und Kanuolympiasieger Andreas Dittmer für die Sparkassen-Finanzgruppe die Übungen mit. Beide Unternehmen gehören neben kinder+Sport und Ernsting’s family zu den Nationalen Fördern des Deutschen Sportabzeichens.

Auch die lokalen Politiker zeigten sich gleich morgens von ihrer sportlichen Seite. Beim gemeinsamen Reaktionstest der Ehrengäste an der T-Wall der BARMER GEK gewann am Ende Astrid Kumbernuss mit 117 Punkten vor dem stellvertretenden Bürgermeister von Halberstadt Dr. Michael Haase (114 Punkte) und Tatjana Hüfner (113 Punkte). „Ich war als Gastgeber bescheiden und bin auf dem letzten Platz gelandet“, kommentierte Hans-Michael Noll, der Bürgermeister von Blankenburg, den Wettbewerb. Alle anderen geplanten Sonderevents – wie die „Lustige Harzstaffel“, bei der z.B. die anwesenden Maskottchen einen Brocken bauen sollten – wurde wegen Regens abgesagt.

Fitnesstest für Breitensportler und Athleten

„Wir mussten die Teilnehmerzahl der Schulen sogar begrenzen, so viele hatten Interesse. Heute sind hier 85 Schulen mit 2.200 Schülern dabei. Mit dieser Veranstaltung stellen wir die Leistungsfähigkeit des KSB Harz unter Beweis“, sagte KSB-Vizepräsident Detlef Brozio bei der Eröffnung und bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. „Wir nehmen diese Veranstaltung als Auftakt dafür, in diesem Bereich weiter zuzulegen.“

Dieter Krieger vom DOSB Präsidialausschuss Breitensport/Sportentwicklung wies in in seiner Begrüßungsrede noch einmal auf die Reform des Deutschen Sportabzeichens hin, die seit diesem Jahr pünktlich zum 100. Jubiläum des Fitnessordens greift: „In der Vergangenheit standen die Schulen immer wieder vor dem Problem, dass erst Kinder ab 8 Jahren bei den Prüfungen antreten konnten. Im Zuge der Reform haben wir das geändert, so dass jetzt alle ab 6 Jahren mitmachen können. Außerdem haben wir die Altersgrenze auch nach oben geöffnet und eine neue Kategorie für Frauen und Männer ab 85 Jahren eingeführt.“

„Die Sportabzeichen-Tour ist eine Erfolgsgeschichte und gehört zu den Highlights im Breitensportbereich“, betonte Andreas Silbersack, der Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, der zusammen mit seiner Frau Yvette in Blankenburg das Sportabzeichen machen wollte und nur vom Regen daran gehindert wurde. „Breitensport fängt bei den Kindern und Jugendlichen an. Hier liegt unsere Basis. Ohne gute Nachwuchsarbeit gibt es auch keine Erfolge im Leistungssportbereich.“

Im Interview unterstrichen auch die anwesenden Sportler die Bedeutung der Leichtathletik für ihr Training. Astrid Kumbernuss sagte: „Viele denken, Kugelstoßen sei eine ausgestorbene Sportart. Dabei ist sie immer noch Bestandteil im Sportunterricht und ich nutze bei der Sportabzeichen-Tour auch gerne die Gelegenheit, Tipps und Tricks fürs Kugelstoßen zu geben. Meine eigene Kugel liegt nach 22 Jahren Leistungssport aber mittlerweile gut verstaut im Keller.“ Rodelolympiasiegerin Tatjana Hüfner, eine gebürtige Blankenburgerin, ergänzte: „Rodeln ist eine vielseitige Sportart, mit vielen integrierten kleinen Disziplinen. Man könnte sagen, das Sportabzeichen ist Bestandteil des Trainings.“ Auch Andreas Dittmer wies auf die wichtige Bedeutung der Leichtathletik für den Kanusport hin: „Der Sprung vom Kanusport zum Sportabzeichen war nicht weit, man könnte sogar von einem nahtlosen Übergang sprechen. Mittlerweile habe ich auch meine Prüferlizenz für das Deutsche Sportabzeichen gemacht und werbe jetzt bei meinen Kolleginnen und Kollegen dafür, dass sie ihr Sportabzeichen ablegen.“

Migranten für den Sport begeistern

Inhaltlich lag der Schwerpunkt bei der Sportabzeichen-Tour in Blankenburg auf dem Thema „Migration und Sport“, obwohl Sachsen-Anhalt mit einem Migrantenanteil von rund 5 Prozent die niedrigste Quote in Deutschland hat. Die meisten der Einwanderer hier kommen aus der früheren Sowjetunion. „Migration und Sport passen sehr gut zusammen. Bei Migration geht es ums Ankommen in einer Gesellschaft und Sport ist ein fester Bestandteil der Gesellschaft“, sagte Professor Ulf Gundlach, Staatssekretär im Innenministerium von Sachsen-Anhalt. Er vertrat Innenminister Holger Stahlknecht, der krankheitsbedingt absagen musste. „Auch wenn wir in Sachsen-Anhalt einen geringen Anteil von Migranten haben, ist uns das Thema wichtig. Wir wollen Fremdenfeindlichkeit verhindern. Wer im Sportverein aktiv ist, schließt Bekanntschaften und ist nicht mehr fremd.“

Der Landeskoordinator „Integration durch Sport“ für Sachsen-Anhalt Viktor Jukkert sagte: „Wir haben in der Vorbereitung auf diese Veranstaltung unsere Stützpunktvereine auf das Thema angesprochen und haben versucht, Migrantinnen und Migranten für das Sportabzeichen zu begeistern. Dabei mussten wir viele theoretische Fragen beantworten und erklären, was das Sportabzeichen eigentlich ist. Heute Nachmittag kommen 35 von ihnen hierher, um das Sportabzeichen abzulegen.“ Gleichzeitig betonte Jukkert, wie wichtig auch das Kursangebot der Sportvereine für eine gelungene Integrationsarbeit ist: „Es kommt eben darauf an, dass die Sportvereine sich nicht nur für Migranten öffnen, sondern dass sie auch ihre Kurse auf sie abstimmen. Wenn Sportvereine Sportarten anbieten, die auch in den Heimatländern der Migranten beliebt sind, dann kommen die Migranten auch zu den Vereinen oder werden als Trainer ehrenamtlich aktiv. Ein gutes Beispiel dafür ist Sambo, eine russische Selbstverteidigungstechnik ohne Waffen.“ In dieser Sportart hatte DOSB-Integrationsbotschafter Max Reusch, der auch in Blankenburg dabei war und Fragen beantwortete, 2005 den deutschen Meistertitel errungen.

Viel Platz zum Austoben

Für Spiel, Spaß und Abwechslung außerhalb der klassischen Sportabzeichen-Prüfungen sorgte in Blankenburg ein großes Funareal im kleinen Stadion. Hier waren die Funmodule der Nationalen Förderer des Deutschen Sportabzeichens aufgebaut: Klettern konnten alle am Multitower der BARMER GEK, das Quartertramp der Sparkassen-Finanzgruppe lud zu großen Sprüngen ein. Die Fotostation von kinder+Sport hatte Profi-Fotos zum Mitnehmen für Kids geknipst und der Getränkepartner der Sportabzeichen-Tour BIONADE schenkte kostenlos Erfrischungen aus. Ihr Talent fürs Golfen konnten Groß und Klein am Putting-Green testen, mit dem sich der Deutsche Golf Verband und der Deutsche Sportausweis auf der gesamten Sportabzeichen-Tour gemeinsam präsentieren. Außerdem gab es mehrere Hüpfburgen, ein Soccer- und ein Basketballfeld sowie die Power-Street-Tour und verschiedenen Sportvorführungen im Rahmen des Integrationsfestes am Nachmittag.

(Quelle: Wirkhaus)