Familien für den gemeinsamen Fitnesstest begeistern

29.06.2012

Das Bergfest der Sportabzeichen-Tour am 29. Juni in Bochum unterstreicht die vielen positiven Effekte des Breitensports.

Vom Sportabzeichen begeistert: Bochumer Schüler mit Busemann und Trimmy (Foto: Sebastian Jochum)

Seinen dritten Platz nahm Busemann mit Humor (Foto: Sebastian Jochum)

Ein Plakat in der Umkleidekabine des Fußballvereins hat bei Maren Hoffmann aus Bochum den entscheidenden Funken gezündet. Während sie auf ihren Sohn wartete, sah sie die Werbung für das Sportabzeichen und hatte auf einmal die Idee, dass die gesamte Familie sich an den Prüfungen versuchen sollte. Inzwischen legt Familie Hoffmann jedes Jahr ihr Sportabzeichen ab – und hat vom gemeinsamen Sport in jeder Hinsicht profitiert: „Es bringt einfach Spaß, mit den Kindern beim Sport mal ganz andere Erfahrungen zu machen“, betont Maren Hoffmann.

Werbung für den Familiensport

Ihr Vorbild hat mittlerweile andere Familien im Freundes- und Bekanntenkreis angesteckt – ein Effekt, den der DOSB, sich ausdrücklich wünscht. 

„Das Thema ‚Familie und Sport’ hat im DOSB eine hohe Priorität. Denn ebenso wie der Sport Familien stärkt, stärken auch die Familien die Sportvereine. Sportvereine können ihre Mitgliederentwicklung positiv beeinflussen, indem beispielsweise Eltern durch ihre Kinder und Kinder durch ihre Eltern für das Sporttreiben motiviert und im Verein gebunden werden Auch die Familie profitiert: Durch die gemeinsamen sportlichen Aktivitäten wird der Zusammenhalt in der Familie gestärkt und aus der gemeinsam verbrachten Zeit ein Erlebnis gemacht“, fasste Walter Schneeloch, Vizepräsident „Breitensport / Sportentwicklung“ des Deutschen Olympischen Sportbundes und Präsident des Landessportbundes NRW die Ziele noch einmal zusammen.

Im vergangenen Jahr hat der DOSB vier Familienbotschafter berufen. Sie sollen ausloten, wie sich Sportvereine für Familien öffnen und für sie interessanter werden können. Einer von ihnen, Harald Seehausen, war zur Pressekonferenz  mit dem Schwerpunkt „Sport und Familie“ nach Bochum gekommen, um von seinen Erfahrungen zu berichten.

Er wies darauf hin, dass die Zahl der allein erziehenden Mütter und Väter in Deutschland steigt. Gerade in diesen Familien wird die gemeinsam verbrachte Zeit immer weniger und damit wertvoller. Um sie für sich zu gewinnen, sollten Vereine ihre Beiträge an die sozialen Verhältnisse anpassen oder auch Ferien- und Betreuungsangebote ausbauen. Auch Kooperationen mit Kitas und Grundschulen seien sinnvoll, um Kinder schon von klein an für den Sport zu begeistern. Außerdem profitieren aus seiner Sicht gerade Familien davon, wenn Spartenvereine – wie Fußball- oder Schwimmvereine – ihr Programm erweitern, so dass die Mitglieder auch andere Sportarten ausprobieren können.

Dass gerade das Sportabzeichen ideale Möglichkeiten bietet, um verschiedene Disziplinen zu testen, betonte der frühere Zehnkämpfer Frank Busemann. Er begleitet die Sportabzeichen-Tour als Botschafter für kinder+Sport, neben der Sparkassen-Finanzgruppe und der BARMER GEK einer der drei nationalen Förderer der Sportabzeichen-Tour.

„Kinder auf den sportlichen Weg zu bringen, ist eine große Herausforderung. Dabei lernen sie beim Sport viele Dinge, die sie fürs ganze Leben brauchen, z.B. wie man Niederlagen aushält und wie eine starke soziale Gemeinschaft einen trägt. Über das Sportabzeichen kann man viele Kinder und Jugendliche erreichen, weil sie in den Schulen gemeinsam dafür trainieren. Und gerade Kinder, die die Prüfungen vielleicht nicht beim ersten Mal schaffen, werden von der Klasse angefeuert und unterstützt. Das habe ich bei der Sportabzeichen-Tour immer wieder erlebt“, beschrieb Busemann seine Erfahrungen.

Bärbel Dittrich, die Vizepräsidentin des LSB NRW wies ebenfalls auf die Schlüsselrolle der Schulen hin: „Den größten Teil der ablegten Sportabzeichen stellen die Kinder und Jugendlichen, etwa ¾, wobei der Großteil an den Schulen abgewickelt wird. Hier sehe ich auch eine Chance für die Zukunft: Die Reform des Deutschen Sportabzeichens macht es den Schulen künftig einfacher, denn der jährliche Nachweis der Schwimmfertigkeit entfällt im Zuge der Reform. Dadurch erhoffen wir uns eine noch stärkere Beteiligung der Schulen – auch an dem landesweiten Sportabzeichen-Schulwettbewerb des Landessportbundes NRW.“

Der dreifache Kanu-Olympiasieger Andreas Dittmer, der in Bochum für die Sparkassen-Finanzgruppe dabei war, wies auf die Basisarbeit des Breitensports für den Spitzensport hin und ergänzte: „Das Sportabzeichen ist für uns eine Herzensangelegenheit.“

Klatsche für Frank Busemann

Dittmer selbst musste beim Promisprint diesmal leider aussetzen. Er hatte sich beim Fußballspielen den Oberschenkel gezerrt. Neben Frank Busemann traten die frühere Weltmeisterin im Siebenkampf Sabine Braun, Ex-Leichtathlet Marc Blume - der in den 1990er Jahren zu den weltbesten Sprintern gehörte -  der ehemalige 100-Meter-Sprinter Jan Schulte, DOSB-Maskottchen Trimmy und der 16-jährige Max Möller, der Patensohn von Maren Hoffmann, gegeneinander an.

Den Sieg holten sich Marc Blume und Jan Schulte vor Frank Busemann, Max Möller und Sabine Braun, die gemeinsam mit Trimmy ins Ziel lief.

Mit einem Lächeln steckte Busemann seine erste Sprintniederlage bei der Sportabzeichen-Tour weg: „Nach 33 Tour-Stationen, bei denen ich dabei war, habe ich mir meine erste Klatsche geholt. Ich habe meinen Meister gefunden.“

Gute Laune, tolle Stimmung

Insgesamt war der Tour-Stopp im Lohrheidestadion ein voller Erfolg. Dabei hatten sich die Veranstalter mit einer Beteiligung von „4.000 plus x“ eine hohe Messlatte gelegt.

„Die Mühe hat sich gelohnt“, sagte Gabriela Schäfer, die Präsidentin des Stadtsportbundes Bochum. „Durch die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die man gar nicht bezahlen könnte, haben alle Beteiligten eine wunderbare Veranstaltung ermöglicht. Der ganze Tag lief entspannt und mit guter Laune ab.“

Fitte Polizei

Von ihrer sportlichen Seite zeigte sich auch die Polizei. Mehrere hundert Polizistinnen und Polizisten nutzten die Gelegenheit, bei der Sportabzeichen-Tour in Bochum ihr Sportabzeichen zu machen.

„Jeder, der sich bei uns für den Polizeidienst bewirbt, muss das Sportabzeichen vorweisen und während seiner Ausbildung auch weiter ablegen“, erklärte Polizeipräsidentin Diana Ewert. „Die körperliche Fitness ist eine Voraussetzung für die Polizei. Außerdem hat Sport eine wichtige Präventivfunktion, wenn es darum geht, Fairness zu trainieren oder Aggressionen abzubauen.“

Natürlich waren auch in Bochum das Quartertramp der Sparkassen-Finanzgruppe und der Multi-Tower der BARMER GEK wieder von Kindern und Jugendlichen umlagert. Rund 2.500 Schülerinnen und Schüler kamen schon am Vormittag zur Veranstaltung im Lorheidestadion. Kostenlose Erinnerungsfotos für sie gab es an der Fotostation von kinder+Sport. Freigetränke für alle schenkte BIONADE aus, der Getränkepartner der Tour. Ein Stand informierte über die Vorteile des Sportausweises und der Knaxclub der Sparkasse Bochum sorgte mit seinen Gewinnspielaktionen am London-Bus für weitere Publikumsattraktionen.

(Quelle: wirkhaus)