Argentinien ist verrückt nach dem Deutschen Sportabzeichen - auch wegen Carlos Bernhard

Was sind typische deutsche Exportschlager? Wem nur Bier, Maschinen und Autos einfallen, der denkt vielleicht ein wenig zu kurz. In manchen Teilen der Welt gibt es eine deutsche Marke, die nicht weniger beliebt ist: Das Deutsche Sportabzeichen. Es kann inzwischen in vielen Ländern abgelegt werden. Einsame Spitze bei der Beteiligung ist Argentinien. Seit 1952 wurden in dem südamerikanischen Land mehr als 48 000 Deutsche Sportbzeichen abgelegt. Zu einem nicht unerheblichen Teil ist das Carlos Bernhard zu verdanken, der sich für den Fitnessorden des Breitensports in Argentinien seit Jahren einsetzt.

Klaus Witte (links), Bundesbeauftragter für das Deutsche Sportabzeichen, und Carlos Bernhard bei der Präsentation der Sportabzeichen.
Klaus Witte (links), Bundesbeauftragter für das Deutsche Sportabzeichen, und Carlos Bernhard bei der Präsentation der Sportabzeichen.

In Villa Ballester, einem Vorort von Buenos Aires, gibt es zwei deutsche Schulen und einen deutschen Turnverein. Hier leben tausende Kinder und Jugendliche mit deutschen Vorfahren. Deutsch als Muttersprache sprechen nur noch die wenigsten von ihnen. Aber im Unterricht wird Deutsch gelehrt und es gibt viele Menschen, die sich für die Pflege der Traditionen der Eingewanderten einsetzen. In diesem Umfeld hat auch Carlos Bernhard seinen Lebensinhalt gefunden: Er legt den Menschen seit mehr als 30 Jahren das Deutsche Sportabzeichen ans Herz - als Beauftragter des Deutschen Sportbundes (DSB).

Carlos Bernhard, geboren 1928 in Mendoza, Argentinien, ist selbst ein Kind deutscher Einwanderer, die als Weinbauern in der neuen Heimat ihr Glück versuchten. Die ersten zehn Jahre seiner Kindheit verbrachte Bernhard in Argentinien, bevor er zum ersten Mal mit seiner Mutter und den Geschwistern nach Deutschland kam. Er fühlte sich heimisch und blieb - bis 1947.

Zurück in Argentinien begann Carlos Bernhard mit seinem Engagement für den Sport und seinen deutschen Fitnessorden. Für Bewegung hatte er sich schon immer begeistert. "Eigentlich wollte ich mal Sportlehrer werden. Bin dann aber doch in die Industrie gegangen. Meine Freizeit hab ich aber immer dem Sport gewidmet." Bis heute sagt der 76-Jährige: "Der Sport ist mein Leben und der Sportplatz mein zweites zu Hause."

In Villa Ballester, bei Buenos Aires, schloss er sich dem deutschen Turnverein an und wurde Mitglied und später sogar zweiter Vorsitzender im deutsch-argentinischen Sportverband. "Seit 1973 hab ich mich dann voll dem Sportabzeichen gewidment." Seitdem hat er im Schnittt jedes Jahr beeindruckende 1700 Sportabzeichen abgenommen. Unterstützung bekommt Bernhard von Helfern an den Schulen und in den Vereinen. Rund 20 Leute sind dabei, das Deutsche Sportabzeichen in Argentinien präsent zu machen. Etwas vergleichbares, wie den Fitnessorden gibt es dort sonst nicht. "Die Argentinier sind über das Sportabzeichen schon erstaunt", sagt der DSB-Beauftragte.

Persönlich kümmert sich Carlos Bernhard vor allem um die Schulen und Vereine rund um Villa Ballester. Jeden ersten Sonntag im Monat hat er zum Sportabzeichenag gemacht. In den Sporthalten und auf den Sportplätzen können dann die Tests im Laufen, Werfen und Springen absolviert werden. Ende Oktober stellt Bernhard jährlich ein "Fest der Jugend" auf die Beine. Manchmal melden sich bis zu 5000 Schüler, um an dem Sportprogramm für das Sportabzeichen teil zu nehmen.

Sein Einsatz für die Ehrennadel des Breitensports nimmt viel Zeit in Anspruch: "Ich bin zwar Rentner, hab aber trotzdem reichlich zu tun. Meine Frau schimpft schon andauernd." Neben der Arbeit für das Sportabzeichen im Vorstand des deutsch-argentinischen Turn- und Sportverbandes ist Bernhard zweiter Chef im Turnverein Villa Ballester. Und nebenbei treibt er auch selbst noch viel Sport. Schließlich will er 2005 seine 32. Wiederholung schaffen. Im Frühjahr 2004 sicherte sich Carlos Bernhard sein 31. Sportabzeichen in Gold.

Zum Dank für sein Engagement und Ehrenamt hat Carlos Bernhard 1994 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog das Bundesverdienstkreuz bekommen. Nach Deutschland kommt er mindestens ein Mal pro Jahr. Seine Tochter wohnt hier. Dann wird auch der Kontakt zum Deutschen Sportbund gepflegt. "Die staunen manchmal, was hier in Argentinien in Sachen Sportabzeichen alles los ist."


  • Klaus Witte (links), Bundesbeauftragter für das Deutsche Sportabzeichen, und Carlos Bernhard bei der Präsentation der Sportabzeichen.
    Klaus Witte (links), Bundesbeauftragter für das Deutsche Sportabzeichen, und Carlos Bernhard bei der Präsentation der Sportabzeichen.
  • Klaus Witte und Carlos Bernhard - gemeinsam im Dienst für das Deutsche Sportabzeichen.
    Klaus Witte und Carlos Bernhard - gemeinsam im Dienst für das Deutsche Sportabzeichen.

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