Das Sportabzeichen – ein Stück Normalität

Die Lebenshilfeschule am Waldkater im niedersächsischen Rinteln ist eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit geistigen Beeinträchtigungen.

Bestanden! Die Kinder der Lebenshilfeschule am Waldkater (Quelle: Heike Nolting)
Bestanden! Die Kinder der Lebenshilfeschule am Waldkater (Quelle: Heike Nolting)

Hier haben 13 Kinder über Wochen fleißig trainiert, bis sie fit für das Deutsche Sportabzeichen waren. Die erfolgreiche Aktion hat sich herumgesprochen. Im nächsten Schuljahr wollen sich weitere Klassen beteiligen.

„Auf unsere Schule gehen Kinder mit Behinderungsgraden von 80 bis 100 Prozent“, sagt Heike Nolting, Heilpädagogin an der Lebenshilfeschule. „Darunter sind schwerst-mehrfach behinderte Kinder, viele haben Gleichgewichtsprobleme oder motorische Störungen. Mit denen das Deutsche Sportabzeichen zu machen, ist eine besondere Herausforderung und bedarf einiger Vorarbeit.“

Möglich gemacht hat die Aktion Michaela Aldag, die Mutter eines der Kinder. Sie hat bei der TuSG Rolfshagen eine Weiterbildung zur Prüferin für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen gemacht. „Als wir von ihr erfahren haben, dass es dieses sportliche Angebot für unsere Kinder gibt, haben wir sofort gesagt: Das machen wir“, berichtet Heike Nolting.

Fortan trainierten an der Lebenshilfeschule 13 Schüler zwischen 11 und 15 Jahren, um die Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen erfolgreich zu bestehen. „Die Leistungsanforderungen sind für unsere Kinder nicht mal eben so zu erfüllen“, so Nolting. „Wir müssen für solche Dinge immer reichlich üben. Die zehn- und elfjährigen Mädchen mussten zum Beispiel 50 Meter in 12 Sekunden zurücklegen – das ist schon anspruchsvoll. Und auch das Werfen ist vielen schwer gefallen. Mit der richtigen Technik den Schwung so umsetzen, dass der Ball nicht kreuz und quer durch die Halle fliegt – das gezielte Werfen – das ist nicht einfach für unsere Kinder.“

Akribische Vorbereitung

Um für die Kinder ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen, bereiteten die Lehrer in Zusammenarbeit mit Michaela Aldag die Sportabzeichenaktion akribisch vor. „Wir haben vorher genau geguckt – was kann welches Kind leisten beziehungsweise definitiv nicht leisten“, sagt Heike Nolting. „Wir haben uns überlegt, welche Ausgleichübungen für welches Kind sinnvoll sind. Dafür muss man wissen, welche alternativen Übungen es für welchen Behinderungsgrad gibt. Da gehört im Vorfeld Arbeit dazu und man muss sich intensiv mit dem Behindertensportabzeichen auseinandersetzen.“

Als es mit den Prüfungen losging, legten sich die Schüler ordentlich ins Zeug. „Wenn die Kinder merken, dass sie etwas machen, wo sie selber im Mittelpunkt stehen, dann sind sie mit großer Begeisterung dabei, sagt Heike Nolting. „Die Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen sind ein Stück Normalität für unsere Schüler. Das ist etwas, was ihre Geschwister auch machen – was sie aus ihren Familien kennen. Deswegen hatten sie auch einen sehr hohen Anspruch an sich selbst.“

Am Ende des Tages hatten alle 13 Schüler die Prüfungen erfolgreich absolviert. „Die Kinder waren sehr stolz“, erzählt Nolting. Den Erzieherinnen und Betreuerinnen ging es nicht anders. „Wenn wir sehen, dass den Kindern etwas so große Freude bereitet, dann freuen wir uns ebenso. Das ist der eigentliche Lohn für die Arbeit, die wir hier leisten.“

Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Sportabzeichen-Aktion eine Fortsetzung finden soll. Die nächsten Sportabzeichen-Anwärter stehen schon bereit: „Es haben sich sogar schon weitere Klassen angekündigt, die sich beim nächsten Mal beteiligen möchten“, so Heike Nolting.


  • Bestanden! Die Kinder der Lebenshilfeschule am Waldkater (Quelle: Heike Nolting)
    Bestanden! Die Kinder der Lebenshilfeschule am Waldkater (Quelle: Heike Nolting)

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