Ein Sportabzeichen-Jubiläum als Familienleistung

So etwas hat es in Hamm noch nicht gegeben

Sigrid Kügler als Sportabzeichen- Prüferin in Hamm 1970
Sigrid Kügler als Sportabzeichen- Prüferin in Hamm 1970

Dieser Rekord ist Familie Kügler aus Hamm nicht mehr zu nehmen. Gemeinsam erreichten Mutter Sigrid, ihr Ehemann Dieter und Tochter Silke 110 Sportabzeichen. Im Rahmen der Sportlerehrung des Stadtsportbundes Hamm wurden die Küglers für diese sportliche Leistung geehrt. „Diese Anzahl geballt in einer Familie - das hat es bei uns noch nicht gegeben“, sagte Friedrich-Wilhelm Corzilius, Vorsitzender des SSB Hamm.

Vorreiter und Motivator der Familie ist Sigrid Kügler. Die 72-Jährige hat zum 45. Mal das Sportabzeichen abgelegt. 40 Abzeichen hat ihr Mann Dieter, 25 Tochter Silke. „Nur unser Sohn Nils fällt etwas aus dem Rahmen“, lacht die sportliche Rentnerin. Er hat erst acht Sportabzeichen abgelegt, weil er nach dem Abitur die Heimatstadt Hamm Richtung Köln verlassen hat.“ In einem Bericht des LSB-Magazins im Mai 1989 wurde Nils sogar als „rebellisch“ beschrieben, weil er nicht automatisch den vorgegebenen sportlichen Weg seiner Eltern einschlug. Das hat sich mit den Jahren aber geändert. „Mein Sohn kommt inzwischen mit seiner Familie jedes Jahr nach Hamm, um das Sportabzeichen abzulegen“, sagt die stolze Mutter.

Durch den Sport flog Amors Pfeil mitten in ihr Herz

Die sportlichen Gene hat Sigrid Kügler sprichwörtlich in die Wiege gelegt bekommen. Sie hatte einen „turnverrückten“ Vater, dem sie schon mit neun Jahren nacheiferte. 1955, im Alter von 16 Jahren, lief ihr in der Volkstanzgruppe des „TSV Berge“ der zwei Jahre ältere Dieter über den Weg. Er war ebenfalls Turner und Volleyballer. Zu den sportlichen Gemeinsamkeiten kamen schnell auch andere und so wurde wenige Jahre später eine echte Sportler-Hochzeit gefeiert.

Seit 1966 hat Sigrid Kügler die Sportabzeichen-Prüfung ohne Unterbrechung jährlich abgelegt, selbst während zweier Schwangerschaften. „Das hat trotzdem geklappt, ich habe das einfach so gelegt, dass es ging“, sagt Sigrid Kügler, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Gleich nach dem ersten Sportabzeichen erwarb sie gemeinsam mit ihrem Mann auch die Lizenz zum Sportabzeichen-Prüfer. Und hier kommt die nächste rekordverdächtige Zahl ins Spiel: Insgesamt 502 Mal nahm Sigrid Kügler als Prüferin das Sportabzeichen ab, bevor sie 2006 den Posten als Obfrau abgab.

Eine Frau für die besonderen Fälle

Auch wenn sie nicht mehr offiziell mit der Stoppuhr auf dem Sportplatz steht, hat Sigrid Kügler viel zu tun. „Ich sage mal so, ich habe jetzt Sondertermine“, schmunzelt die 72-Jährige. Sportler, die beispielsweise Probleme beim Kugelstoßen haben, führt sie an alternative Übungen, wie das Geräteturnen, heran. „Erst letzte Woche gab es wieder so einen Fall“, plaudert Sigrid Kügler. „Da hat ein junger Mann, der sich bei der Polizei beworben hat, an meiner Tür geklingelt. Er hatte Probleme bei den Leichtathletik-Übungen. Um angenommen zu werden, braucht er das Sportabzeichen aber schon in ein paar Wochen. Da bin ich mit ihm in die Sporthalle gegangen und habe ihm gezeigt, wie es mit den Übungen klappt. Ob er an der Polizeihochschule angenommen wurde, weiß ich nicht, aber das Sportabzeichen hat er zumindest bestanden“, sagt die 72-Jährige.

Für Sigrid Kügler ist das Sportabzeichen eine wichtige Bestätigung. „Selbst für alle die wissen, dass sie sportlich sind, ist die Prüfung immer wieder ein Nachweis für die eigene Fitness. Und alle, die es vorher belächelt haben, ziehen nach der Sportabzeichenprüfung den Hut. Das habe ich schon oft erlebt“, erinnert sich die Sportabzeichen-Pionierin. Und räumt ein: „Jeder hat doch seine Schwachstellen, beim Sprung oder auch beim Kugelstoßen. Da ist bei manchen Menschen viel Anstrengung gefragt und manchmal ist auch eine Wiederholung der Prüfung notwendig.“

Das 46.Sportabzeichen hat Sigrid Kügler schon fast in der Tasche. „Mir fehlen nur noch die Lauf-Langstrecke und Schwimmen. Das erledige ich, sobald das Freibad bei uns eröffnet ist“, sagt Sigrid Kügler. Sie ist und bleibt ehrgeizig. „Ich möchte gern die 50. Sportabzeichen erreichen, aber in meinem Alter kann man eben nicht über fünf Jahre planen. Wenn ich gesund bleibe, steht dem aber nichts entgegen.“


  • Sigrid Kügler als Sportabzeichen- Prüferin in Hamm 1970
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  • Sigrid Kügler bei der Abnahme des Sportabzeichens 2010
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  • "Die sportlichen Vier"- Familie  Kügler 1989
    "Die sportlichen Vier"- Familie Kügler 1989

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