Hochsprung in die Sandgrube

Eine Sportabzeichen-Pionierin berichtet über die Anfänge des deutschen Fitnessordens.

"Das Sportabzeichen hat mich über viele Jahre begleitet und begeistert" - Hella Alles (Foto: Rainer Seitz)
"Das Sportabzeichen hat mich über viele Jahre begleitet und begeistert" - Hella Alles (Foto: Rainer Seitz)

Die 84-jährige Hella Alles aus Göllheim gehört zu den Sportabzeichen-Pionieren. Sie war eine der ersten Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Bundessportabzeichen, den Vorläufer des Deutschen Sportabzeichens, abgelegt haben. Die sportliche Pfälzerin und ihr inzwischen verstorbener Mann Heinz Alles waren außerdem wohl das erste Ehepaar, das gemeinsam das Bundessportabzeichen gemacht hat – damals noch unter einfachsten Bedingungen.

„Ich war schon immer sehr sportlich und das Sportabzeichen hat mich über viele Jahre begleitet und begeistert“, sagt Hella Alles. Zum Fitnessorden kam sie 1950 über ihren Mann. „Heinz hat schon während des Krieges das Sportabzeichen abgelegt. Später hat er gemeinsam mit anderen Sportbegeisterten bei der TuS Göllheim eine Sportabzeichensparte gegründet. Da wollte ich natürlich dabei sein.“

An ihr erstes Sportabzeichen kann sie sich noch gut erinnern. „Das war gerade einmal drei Monate nach der Geburt unserer ersten Tochter“, erzählt sie. „Vor allem die 2.000 Meter zu laufen fiel mir sehr schwer.“ Trotzdem hielt sie am Ende der Saison als eine der ersten Pfälzerinnen den Fitnessorden in ihren Händen. Überhaupt schafften im ersten Jahr bei der TuS nur zwei die Bedingungen des Deutschen Sportabzeichens – das waren Hella Alles und ihr Mann. „Die meisten scheiterten am Schwimmen“, berichtet die Pfälzerin.

Hella Alles Leistungen auf dem Sportplatz kamen nicht von ungefähr: „Ich habe von klein auf Leichtathletik gemacht. Seit ich 16 Jahre alt war, habe ich Handball gespielt und war sogar Auswahlspielerin im Saarland. Deswegen sind mir auch der Weitsprung und die Laufdisziplinen besonders leicht gefallen.“

Schwierige Trainingsbedingungen

Der Sportplatz der TuS war ausgestattet wie die meisten Sportplätze Anfang der 50er Jahre: spärlich. „Unsere Laufbahnen haben wir selber mit Kalk markiert“, erzählt Hella Alles. „Den Hochsprung haben wir in die Sandgrube machen müssen – so war das damals. Das lässt sich mit den Bedingungen auf den modernen Sportplätzen gar nicht vergleichen.“

Die Begeisterung für das Sportabzeichen ging soweit, dass sie die Prüflizenz ablegte und gemeinsam mit ihrem Mann lange Jahre den Sportabzeichentreff leitete. Sie selbst hat 42 Sportabzeichen gemacht. Eigentlich wollte sie solange dabei bleiben, bis sie sich als erste Frau in der Pfalz das 50. Sportabzeichen hätte anheften können. Ein Unfall durchkreuzte diese Pläne.

Hella Alles ist aber dankbar für die Zeit, die sie mit Sportkameradinnen und -kameraden auf dem Trainingsgelände der TuS verbracht hat. Trotz Gehhilfe zieht es sie auch heute noch regelmäßig auf den Platz. „ Ich nehme auch heute noch als Prüferin das Sportabzeichen ab und um mich beweglich zu halten, gehe ich regelmäßig schwimmen“, sagt sie.

Hella Alles hat ihre Leidenschaft für den Fitnessorden an ihre Familie weitergegeben. „Meine beiden Töchter, deren Ehemänner und meine Enkel – alle machen sie das Sportabzeichen“, sagt sie. Eine ihrer Enkelinnen tritt jetzt sogar in ihre Fußstapfen. „Julia ist Prüferin und wird jetzt die Abteilung Sportabzeichen bei der TuS übernehmen, darüber freue ich mich besonders.“


  • "Das Sportabzeichen hat mich über viele Jahre begleitet und begeistert" - Hella Alles (Foto: Rainer Seitz)
    "Das Sportabzeichen hat mich über viele Jahre begleitet und begeistert" - Hella Alles (Foto: Rainer Seitz)
  • Urkundenheft für das Bundessportabzeichen (Repro: Sportbund Pfalz)
    Urkundenheft für das Bundessportabzeichen (Repro: Sportbund Pfalz)
  • Verleihungsurkunde von 1950 (Repro: Sportbund Pfalz)
    Verleihungsurkunde von 1950 (Repro: Sportbund Pfalz)

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