Mein drittes Deutsches Sportabzeichen, eine Fortsetzungsgeschichte

Ein Erfahrungsbericht: Das Abenteuer "Sportabzeichen" erlebt und geschrieben von Frank Krause.

TRIMMY, Martin & Theo aus Berlin (Foto: privat)
TRIMMY, Martin & Theo aus Berlin (Foto: privat)

Es regnet. Tiefschwarz, drohend und zischend kommt er, einer Kanonenkugel gleich, im Dunkel besorgniserregend auf mich zu, der neue 2 kg schwere Medizinball.

Ein letzter kurzer Gedanke an die Warnung meiner Frau, im Garten bloß alles ganz zu lassen, verfliegt so schnell, wie die Kugel auf mich zuschießt. Instinktiv reiß ich mein rechtes Bein hoch und dann nur noch Schmerz…………

Einige Zeit zuvor.

Sommer 2017. Dieses Jahr wollte ich wieder die Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen ablegen. Aus dem Internet wusste ich, dass am 9. September vom TV Erkelenz 1860 der Aktionstag veranstaltet wird, wo das Stadion, die Turnhalle der Berufsschule und das Erka Bad für die motivierten Prüflinge zur Verfügung stehen. Ich erinnerte mich an die tolle Organisation vom letzten Jahr und freute mich schon. Natürlich sollte es möglichst das Sportabzeichen in Gold werden.

Es war zwar mittlerweile Anfang August, aber immer noch ausreichend Zeit, die Einzeldisziplinen gezielt zu trainieren.

Gute zwei Wochen später. Dienstag, 22. August, 19:00 Uhr, noch 17 Grad und trocken. Immer noch die Woche über auf Montage in Thüringen, raff ich mich endlich, nach einem arbeitsreichen Tag und kleinem Erholungsschläfchen im Wohnzimmersessel, auf, um mein Training zu starten. Schnelligkeit, Koordination und Kraft stehen auf dem Programm. Da ist es von Vorteil, dass sich meine Wohnung direkt auf dem Betriebsgelände befindet, wo ich fast optimale Trainingsbedingungen habe.

Nach kleinem Aufwärmprogramm, ich hab ja vom letzten Jahr gelernt, geht‘s mit Seilspringen los. Die in meiner Altersklasse für Gold geforderten 30 Grundsprünge rückwärts ohne Zwischensprung wurden auf Anhieb locker übertroffen. Na ja, auf Anhieb ist ja vielleicht etwas übertrieben und so nicht ganz richtig, da ich seit letztem Jahr in mein die Woche über tägliches Abendausgleichstraining das Seilspringen rückwärts immer mal mit einbaue. Außer dass ich eine Leuchte der Wohnzimmerlampe dabei runter - und die Gardinen ein klein wenig eingerissen habe, ist bisher nichts Erwähnenswertes passiert. Nun ja, der umgeknickte Fuß vom letzten Winter vielleicht….

Aber prima Anfang, jetzt zur Sprintstrecke. Start wieder am Straßeneinlauf auf dem Asphalt unserer Zufahrt. Die 50 m exakt mit dem Messrad abgerollt und die Zielmarkierung gesetzt. Diesmal war ich besser vorbereitet. Mein Coach Lucia hatte mir eine Stoppuhr gekauft, so dass ich beim Ziel nicht mehr sofort aufs Handy schauen muss, und jetzt schön gemächlich auslaufen kann. So hat´s dann auch gut geklappt, Zeit i.O. und keine Verletzung. Körper bestens in Schuss.

Da ich für die Kraftdisziplin kein geeignetes Trainingsgerät zur Hand hatte und die Turnübung am Barren im letzten Jahr gut geklappt hat, wollte ich das heute nochmal probieren. Wir hatten von einer Wasserbaustelle einen ca. 7 m langen Eisensteg rückgebaut und für einen eventuellen zukünftigen Einsatz als Fußgängerbrücke o.ä. aufbewahrt. Der Steg hat Bodenbleche und ein beidseitiges Geländer. Beste Bedingungen, dachte ich. Na dann mal reingestellt und schwingen. Die Handgriffe des Geländers waren etwas weiter auseinander als bei einem Barren. Hmmm, eigentlich doch ein ganzes Stück weiter. Beim Schwingen merkte ich, dass es doch wohl zu weit war, und was ich da veranstaltete mit schönem Schwingen nicht viel zu tun hatte. Der Bereich, wo dieser Steg steht, wird von einer Kamera gesichert und die Aufnahmen, glaube ich, eine ganze Zeitlang gespeichert. Und kurz hatte ich den besorgniserregenden Gedanken, dass hoffentlich nie jemand diese Kameraaufzeichnung zu Gesicht bekommt. Denn ein wenig gruselig anzuschauen war das doch schon, wie ich da so ungelenk, steif und unbeholfen die Arme durchdrückte, dass Gesicht in entstellender Weise verzogen, mit aller Kraft versuchte den Körper einigermaßen mittig  zu halten und dabei schön die Beine nach vorn und hinten, ja nach hinten auch, in gestreckten Haltung über die Handläufe zu schwingen. Von meinem vielleicht auch etwas zu femininem, auf keinen Fall zusammenpassendem Sportdress ganz zu schweigen. War das ne kurze Hose von Lucia?

Gut, die roten Turnschuhe hatte ich mir mal ausgesucht. O Weih. Ich glaub, dass hätte noch nicht mal für Bronze gereicht. Also gut, ich glaube ich werde mir ne original Eisenkugel fürs Kugelstoßen besorgen. So richtig schön rund und mit passendem Gewicht. Bis dahin kann das Training eingestellt werden. Im Großen und Ganzen passt‘s schon und ich war ganz zufrieden, vor allem nicht verletzt. Noch nicht …..

Jetzt erstmal duschen, was leckeres Essen und ein wenig beim Fernsehen oder Musik machen entspannen. So vergingen die Tage in gewohntem Rhythmus bis ………..

… Mittwoch, 6. September. Gerade im Büro auf meinem Tischkalender gesehen, dass ja am kommenden Samstag schon der Sportabzeichen Prüfungstag ist. Oh man, das ging schnell….

Nochmal gleich die Prüfungsanforderungen anschauen. Das mit dem Barren hab ich ja dann doch nicht mehr üben können, Ausdauer überhaupt nicht trainiert und die Eisenkugel auch noch nicht bestellt. Aber da gibt‘s als Alternative doch noch den Medizinballweitwurf. Der Ball muss 2 kg schwer sein, Durchmesser egal und er kann aus dem Stand, mit Anlauf oder aus der Drehung geworfen werden. Okay, na das kann doch wohl wirklich kein Problem sein, den Ball auf die erforderliche Weite, in meiner Altersklasse über 10 m, zu bringen. Man könnte laut Leistungstabelle auch Steinstoßen, hört sich auch cool, so ein bisschen Highlandermässig an …. Aber erstmal auf Nummer sicher und meinen Coach angerufen, dass er mir schnellstens einen 2 kg Medizinball mit ca. 25 cm Durchmesser besorgt. Dann kann ich Freitag nochmal ganz schnell trainieren. Außerdem kommt fürs Wochenende mein Sohn mit Frau und Enkel aus Berlin. Vielleicht kann ich ihn noch dazu bringen, am Samstag mitzugehen und die eine oder andere Prüfung mitzumachen.

……Mist. Freitag erst wieder spät weggekommen und auch noch Stau auf dem Kölner Ring. Aber gegen halb sechs am Nachmittag endlich zuhause. Prima unser Besuch ist schon da.

Jetzt erst mal kurz frisch gemacht und dann zum Portugiesen und ne gute Grundlage für Samstag schaffen. Gambas in geheimer Soße sorgen für reichlich Eiweiß und der Knoblauch sichert geschmeidige Blutgefäße. Die netten Betreiber Maria und Rui sind befreundete, ehemalige Nachbarn. Dementsprechend fällt auch die Menge des Absackers für „auf den Weg“ aus.

Alle sind gestärkt und gut drauf, als wir zuhause ankommen. Nur das Wetter ….. es hat sich so richtig eingeregnet. Unser Sohn Martin hat auch Lust am nächsten Tag mitzukommen, um das Sportabzeichen zu machen. Er surft, skatet, spielt ab und zu Fußball und ist auch sonst sportlich ziemlich aktiv. Also beste Voraussetzungen. Außerdem hat er den neu eingetroffenen Medizinball schon ausprobiert und ist auf Anhieb auf seine erforderliche Weite gekommen. Oh prima, dachte ich, dann wird das für mich ja auch kein Problem sein.

Ein wenig erzählt und Neuigkeiten ausgetauscht und schon war´s dunkel und regnete noch immer. Ich wollte und musste aber unbedingt noch den Medizinball, wenigstens einmal werfen. Lucia machte unseren Enkel bettfertig und Opa war dann für die Gute Nachtgeschichte zuständig. Die Zeit bis dahin galt es jetzt aber mal schnell noch auszunutzen.

Martin los, ab in den Garten …. Ich nahm den Medizinball, aus Leder, liegt super in der Hand, na dann ….. Wir werfen uns den Ball zunächst sehr vorsichtig zu. Wie Fußballer beim Einwurf, mit beiden Händen von hinten über dem Kopf. Martin steht etwas höher auf unserer Terrasse, ich etwas weiter unten auf dem Rasen. Wir steigern langsam die Wurfweite.

Ich erinnere mich, dass ein flüssiger Bewegungsablauf wichtig ist und nicht nur die Kraft in den Armen. Man soll genügend Körperspannung haben und mit Schwung den Ball auf die richtige Flugbahn schicken. Welcher Abwurfwinkel war da nochmal optimal? War´s 45 Grad, ne das ist zu steil, denke ich, ich glaub eher so um die 30 Grad …., mal ausprobieren. Ich behalt meine Gedanken für mich, erst mal sehen, wie ich so im Vergleich zu Martin werfe, kann ihm dann immer noch kluge Ratschläge geben …. was aber nicht nötig war … Ich steh jetzt fast am Rand der Rasenfläche, der Nachbarzaun rückt immer näher. Ist auch schon ziemlich dunkel geworden und es regnet noch immer. Aber das nützt nix, ein paar Würfe noch. Ich streng mich schon mächtig an, Schweiß- und Regentropfen vermischen sich. Die Entfernung zwischen uns entspricht erst knapp meiner „Goldweite“. Noch einen Schritt zurück, bin jetzt schon mächtig nah an diversen zerbrechlich aussehenden Kugeln, Feenwesen, Pilzen und dem Blumenbeet herangerückt.

Martin hatte am Nachmittag bei seinen ersten Probewürfen schon einiges in „Unordnung“ gebracht, so dass eigentlich von der schönen Gärtnerin ein Wurfverbot im Garten ausgesprochen wurde ….

Aber die war ja im Moment anderweitig beschäftigt. Mein Wurf mit aller Kraft und einigermaßen flüssig ausgeführt, schien mir nah am Optimum zu sein. Ich hatte dem Ball kurz vor dem Abwurf noch einen leichten Rückwärtsdrall mitgegeben, indem ich die Fingerspitzen leicht unter dem Ball durchgezogen habe, das soll, wie ich mich weiter erinnerte, zu noch mehr Weite führen.

Zufrieden mit mir, und mittlerweile ziemlich durchnässt, sagte ich Martin, der bisher locker, und ohne Tipps, mitgehalten hat, er solle jetzt nochmal alles für einen letzten Wurf geben …

Oh weih, das hätt ich jetzt besser nicht gesagt. Nicht das mit dem letzten Wurf, sondern das mit dem, dass er alles geben soll …. Aber so nahm das Schicksal seinen Lauf …..

Es regnet. Im Schimmer der matten Beleuchtung sah ich, wie Martin seinen Oberkörper wie einen Flitzebogen spannte, eine flüssige Bewegung, wie aus einem Lehrvideo, folgte und der dunkle Ball verließ explosionsartig seine Hände und schoss auf mich zu. Meine Fresse, denk ich kurz, was‘n Hammer ….der dunkle, bösartige Ball schießt durch die Nacht geradewegs auf mich zu und will zerstören …. aber bloß nicht irgendwas im Garten, die schöne Gärtnerin killt mich, kann ich grad noch so denken, denn dann ist er auch schon da: fies, niederträchtig und unbarmherzig.

Das wird übel ……

Wie von selbst, reflexartig und unwillentlich reiss ich mein rechtes Bein hoch und stoppe die Monsterkugel mit meinem rechten Schienbein ……. Aaaaaaaaah, au, ohhhhhh, aua, mmmmmmmmh ……………….die ersten Schmerzen sind kaum zu glauben, aber der Ball hatte noch solch eine Wucht (ein wahrer Meisterwurf), und so ein Schienbein ja nicht wirklich was entgegenzusetzen.

Ich humpel durch die Dunkelheit über den Rasen in die Küche, um den Schaden zu begutachten. Oh ja, es schwillt schon tüchtig an, Schienbein bis runter ans Sprunggelenk, jetzt mal schnell ein paar Eispads drauf. Man, man, man, so ein Mist, dabei wollte ich doch morgen mein Sportabzeichen machen, kann ich jetzt wohl vergessen. Das ist eigentlich das Ärgerlichste, Schmerz, Schwellung und dass ich nur noch humpeln kann, normalerweise egal, aber grad jetzt ….. schade, auch weil ich’s mit Martin zusammen machen wollte.

Opas Gute Nachtgeschichte fällt heut auch aus. Ich mach mich bettfertig und versorg mein Schienbein. Vielmehr macht das mein Coach, der nebenbei auch Krankenschwester ist.

Das Bein wird hochgelegt und während der Nacht immer mal wieder gekühlt.

Am Morgen, der erste, vorsichtige Belastungstest. Die sofortige und beständige Behandlung hat genutzt, Gelenk ist zwar noch dick aber ich kann fast ohne Schmerzen auftreten. Puhhh, suuuper, mit ner kleinen Gelenkbandage wird’s schon gehen. Jetzt mal nur nicht wehleidig sein.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und noch ein wenig Entspannung geht´s dann kurz vor Mittag los. 12:00 Uhr Mittags / High Noon denk ich so, der alte Western mit Gary Cooper, dem alten Marshal, und Grace Kelly, cool. Nun denn, auf geht’s Jungs, vamos.

Die Jungs waren Theo unser Enkel, der sehr gern mitmachen will, weil noch zu jung, aber noch nicht darf. Dann Martin, der auch gern mitmachen will und ich, der unbedingt mitmachen will.

Dazu dann noch unsere Mädels, Sofie, die nicht mitmachen will und Lucia, die auf keinen Fall mitmachen will, sie ist ja aber auch der Coach und außerdem brauchen wir Fans zum anfeuern.

Gut gelaunt machen wir uns auf den Weg. Draußen regnet es in Strömen.

Wir fahren mit dem Auto und suchen uns einen am Stadion nah gelegenen Parkplatz. Der Regen prasselt und trommelt uns sein Lied aufs Autodach. Das Wetter will nicht so recht mitmachen dieses Jahr, der Himmel ist trüb und grau, und es sieht nicht so aus, als ob es sich kurzfristig ändern wird.

Wir warten, bis es nur noch so schauert, aber das ist es noch, zumindest ein heftiger Schauer, und ob’s danach nur nieselt oder wieder stärker wird, wer weiß das schon.

Also schnappen wir unsere Taschen und im Laufschritt geht’s ins Stadion, wo wir von „Trimmy“ einem lebensgroßen Sportabzeichen Maskottchen, der Symbolfigur des DOSB, sehr nett begrüßt werden. Nach der Anmeldung dann erst einmal in die Turnhalle, vielleicht beruhigt sich dann das Wetter.

Erste Disziplin ist Seilspringen. Eine sichere Bank, hoffe ich, nur nicht verheddern. Das Bein hält noch, kaum Beschwerden. Trotzdem .. , nichts riskieren, nur kurz und vorsichtig einspringen, eine Prüferin gesucht und los. 30 Mal Rückwärts ohne Zwischensprung ist hier meine Mindestanforderung, klappt super, bei 47 hör ich auf. Martin, der erst seit zwei Tagen mal wieder Seil springt, muss den Kreuzdurchschlag machen. Beim Seilspringen kommt die Kraft aus den Handgelenken und beim Kreuzdurchschlag ohne Zwischensprung müssen bei jedem zweiten Sprung die Arme gekreuzt werden, da ist dann die Gefahr, dass man sich verheddert,  besonders groß. Ich glaub, Martin ist auch ein wenig aufgeregt. Klappt bei ihm aber auch super, er springt sehr hoch und hat die Arme bis zum Ellenbogen überkreuzt, so dass er eine große Schlaufe zum durchspringen hat.

Meine nächste Prüfung will ich am Barren ablegen, dann brauch ich den Medizinballwurf nicht machen. Meine Prüferin ist mit Leib und Seele Turnerin, sie bewertet knallhart und lässt meine erste Prüfung nicht gelten. Ich seh‘s schon aus den Augenwinkeln, unbarmherziges und gnadenloses Kopfschütteln. Aber sie sagt mir auch, was nicht in Ordnung ist und wie ich’s hinkriegen kann. Ich muss nach hinten sauber mit beiden gestreckten Beinen viel höher über die Holme schwingen. Puh, jetzt mal schnell den richtigen Bewegungsablauf in den Kopf reinzukriegen, ist gar nicht so einfach, außerdem geht mir die Puste aus. Aber die Familie schaut zu, jetzt bloß nicht schlapp machen, also beiß ich mich durch und am Ende haut‘s hin. Martin absolviert noch den Grätschwinkelsprung, und so haben wir beide schon zwei Prüfungen hinter uns gebracht.

Draußen regnet es noch immer heftig. Nützt nix, vor dem Ausdauerschwimmen muss ich noch den Schnelligkeitslauf und Martin den Medizinballwurf erledigen und bestehen.

Ich lauf mich gemächlich aber intensiv ein, will keine Zerrung oder Muskelfaserriss riskieren.

Geh mich dann bei der Prüferin im Regencape anmelden, trabe zur Startlinie, bring mich in Startposition, warte auf das Startsignal und renne dann, wie ein Wahnsinniger, durch den peitschenden Regen. Man glaubt es kaum, aber es ist echt cool, vor allem, weil die Muskeln trotz des Wetters schön aufgewärmt sind und nicht schmerzen. Ich finde schnell meinen Rhythmus, ist fast wie galoppieren, denke ich noch, und dann hechte ich bereits über die Ziellinie und lauf gemächlich und in aller Ruhe aus. Zeit passt, stark.

Martin hat in der Zwischenzeit den Medizinball geworfen, und zwar beachtlich weit. Den Medizinball als Trainingsgerät mitgenommen, habe ich mich zwei Wochen später in Thüringen auf unserem Betriebsgelände an dieser Weite versucht und sie dann endlich mit Mühe, allerdings erst als ich den Wurfstil wechselte, geknackt und noch ein Stückchen übertroffen. Mal sehen, wie lange der interne Familienrekord hält. Wenn Martin auch den Wurfstil wechselt, wahrscheinlich nicht so lange. Aber im Moment hat er ja kein Trainingsgerät, prima, also genieß ich die Zeit als „Rekordhalter“ solange es dauert.

Nachdem Martin auch noch die 100 m gelaufen ist, im Verhältnis wesentlich schneller als ich die 50 m, ziehen wir unsere Jacken an und wollen für eine kurze Pause nach Hause, bevor mit der Ausdauerprüfung, im Schwimmbad der Prüfungstag endet.

Bevor wir gehen, lauf ich nochmal zur Turnhalle, um mich von meinem Freund Spezi zu verabschieden. Dort legt seine Frau gerade die Seilspringprüfung ab. Von allen frenetisch angefeuert, liefert sie prima ab. Top. Wir werden uns später im Schwimmbad wiedersehen.

Zuhause erst mal kurz innehalten, regenerieren und sich stärken. Aber die Gedanken sind schon bei der Ausdauerprüfung, oh man, meine Angstdisziplin, für mich die wohl härteste Prüfung, die ich im Übrigen auch so nicht trainiert hab. Eigentlich hab ich Ausdauer ja gar nicht trainiert, denke ich, dass ist wie damals der 5000 m Lauf bei der Bundeswehr, gruselig. Hab ich mir auch immer für zuletzt aufgehoben und zu wenig dafür getan, und dann bei jeder Runde bitter bereut. Aber im Wasser, auf dem Rücken und mit meiner Technik des simultanen Doppelarmzugs sollte es schon klappen ……. aber 16 Bahnen ? ….. wird schon, Martin muss 32 !!!! …au weih ….

Es wurde noch härter als gedacht. Ich wollte allerdings auch keine Schwäche zeigen, und pflügte deshalb von Anfang an wie besessen, übermütig und übermotiviert, vielleicht auch etwas übernervös, warum eigentlich, durchs Wasser. Diesmal ging ich mit einer Schwimmbrille, wie die Profis, an den Start. Hat ich mir extra besorgt. Wenn schon zu wenig trainiert, dann aber top ausgerüstet. Leider verrutschte sie mir beim fliegenden Start vom Startblock. War wohl doch zu locker für den gewaltigen Sprung. Auf jeden Fall wurden die Augen so geflutet, dass ich die erste halbe Bahn blind schwamm, bevor ich, nicht ohne einen leckeren Schluck chlorhaltigem Schwimmbadwasser, die Brille neu justiert und wieder in beinahe optimalem Einsatz hatte. Allerdings hatte ich Zeit und Kraft verloren, so dass ich nach der vierten Bahn schon sehnsüchtig das Ende herbeisehnte. Ab der vierten Bahn wurde ich dann auch zwangsläufig etwas ruhiger. Ist schon irre, an was man alles denkt, um die Strecke zu schaffen ….jetzt bloß nicht schlappmachen du Sau (womit natürlich der innere Schweinehund gemeint ist ), keine Schmerzen, Gold, Schmerzen ist Leben, wo bleibt denn jetzt die „ zweite Luft ?“ oder das „Runner‘s high“ ( dieses wahre Glücksgefühl, wenn der Körper zusätzliche Endorphine ausschüttet) ,Gold, Gambas in geheimer Soße, wieviel Runden denn noch, hoffentlich bleibt die Brille am Platz, gaaaaanz ruhig die Arme durchziehen, Martin muss das doppelte …..

…..nach einer gefühlten Ewigkeit, zeigt die nette Prüferin noch zwei Runden an. Oh, da bin ich dann doch überrascht, denn ich dachte noch vier, hatte aber irgendwann wohl den Überblick verloren. Nahm die Ansage aber dankbar an und gab nochmal Gas. Angeschlagen, und so grade, nicht grad ästhetisch, aus dem Becken geklettert, wurden meine Beine weich und mir insgesamt sehr übel, so dass ich mit letzter Kraft zu einer Bank torkelte. War doch ganz schön hart, aber auch fast 2 Minuten schneller als letztes Jahr, wo ich allerdings auch etwas verletzt war. Trotzdem, bin sehr zufrieden und kann jetzt von der Bank anschauen, wie sich Martin, Spezi und Ulrike schlagen. Alle schaffen ihre Anforderungen ohne größere Probleme.

Ich muss staunen, dass Martin seinen Kraulstil die kompletten 32 Bahnen durchzieht und vor allem durchhält. Er braucht im Vergleich zu mir für die doppelte Strecke nur die doppelte Zeit, das heißt ich hätte mit meiner Durchschnittsgeschwindigkeit nochmal 16 Runden schwimmen müssen, um mitzuhalten, was ich in keinem Fall geschafft hätte. Aber das ist ja das schöne beim Deutschen Sportabzeichen, das für die einzelnen Jahrgänge altersgemäße, individuelle Anforderungen bestehen. Und leider, leider kommt langsam der Zeitpunkt, wo man sich eingestehen muss, dass die körperliche Leistungsfähigkeit im Vergleich zur heranwachsenden Jugend ein klein wenig abnimmt.

Nach dem ausgiebigen Duschen, beschließen wir den Prüfungstag mit der Abgabe unserer Einzelprüfkarten, nicht ohne davon zuvor ein Foto gemacht zu haben, falls diese doch mal verloren gehen sollten. Zweimal Gold geschafft, toll. Ein großes Dankeschön an die Organisatoren und alle freiwilligen Mithelfer, uns hat’s sehr gut gefallen, wir kommen wieder. Bis zum nächsten Jahr …….

Genügend Zeit, mal ein klein wenig Ausdauer zu trainieren.


  • TRIMMY, Martin & Theo aus Berlin (Foto: privat)
    TRIMMY, Martin & Theo aus Berlin (Foto: privat)

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