Rundstrecke mit rechtem Winkel

Die 50er-Jahre: Zeit des Aufbaus und des Neubeginns. Unter widrigen Umständen nimmt die Wirtschaft in Deutschland Schwung auf.

Theoklaus Barz 1950 und 2010 (Foto: Seitz, Repro: Sportbund Pfalz)
Theoklaus Barz 1950 und 2010 (Foto: Seitz, Repro: Sportbund Pfalz)

Und auch im Breitensport tut sich etwas. Das bundesweit eingeführte Deutsche Sportabzeichen erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Doch auch auf den deutschen Sportplätzen heißt es Improvisieren. Sportabzeichenpionier Theoklaus Barz berichtet vom Laufen neben Kartoffelfeuern, dem Straddle in die Kiesgrube, dem Hürdenlauf ohne Hürden und anderen abenteuerlichen Begebenheiten.

„Mein erstes Sportabzeichen habe ich in Grünstadt in der Pfalz abgelegt, wo ich damals beruflich tätig war“, erinnert sich der 81-Jährige Theoklaus Barz. „Das war noch unter ganz einfachen Bedingungen. So mussten wir unsere 100-Meter-Bahnen selbst markieren, und weil wir keine Startblöcke hatten, haben wir uns Löcher in die Aschenbahnen gegraben.“

Auch das Absolvieren der Langstrecken hatte seine Tücken. „Wir mussten ja damals noch 5.000 beziehungsweise 10.000 Meter laufen“, erzählt Barz. „Das haben wir auf einer abgemessenen Strecke auf der Landstraße gemacht. Ich erinnere mich, dass im Herbst – links und rechts der Strecke – Kartoffelfeuer brannten. Der Rauch ist quer über die Straße gezogen, sodass man auf einer Strecke von etwa 100 Metern statt reiner Luft diesen Qualm einatmen musste.“

Als Juniorenmeister über 110-Meter-Hürden sowie als Pfalzmeister im Hochsprung 1951 bereiteten Theoklaus Barz die sportlichen Anforderungen des Deutschen Sportabzeichens keine Probleme. „Ich bin damals zwischen 1,70 und 1,80 Meter hochgesprungen“, sagt Barz. „Der Absprung war besonders anspruchsvoll, wenn sich auf dem Boden durch Regen eine weiche Masse aus der Asche gebildet hatte. Außerdem fingen wir damals mit dem Straddle-Stil an. Die Landung in eine mit Kies gefüllte Grube hat mir etliche blaue Flecken eingebracht.“

In Pirmasens, der Heimatstadt von Theoklaus Barz, begann sein Engagement für den Fitnessorden als zuständiger Kreisbeauftragter für das Deutsche Sportabzeichen. „Ich habe zum Beispiel die Abnahmen in den Schulen koordiniert oder die Presse über unsere Sportabzeichen-Aktionen informiert“, so Barz. Beim FK Pirmasens ging der überzeugte Leichtathlet weiterhin regelmäßig auf den Sportplatz.

100 Meter bis zum Bombentrichter

„Die Bedingungen dort waren ähnlich wie in Grünstadt“, sagt Barz. „Wir hatten zum Beispiel keine ovale Laufbahn. Statt vier Rundungen waren es nur drei und an einer Seite gab es eine Ecke mit einem rechten Winkel. Die 100-Meter-Strecke endete damals direkt vor einem Bombentrichter, in dem so mancher unachtsame Athlet beim Auslaufen versank.“

 Mangel an Sportgerät kompensierten die Pirmasenser durch Kreativität. „Wir hatten in Pirmasens keine zehn Hürden, sondern nur drei“, so Barz weiter. „Also haben wir auf der Bahn Linien gezogen und an den markierten Stellen die Beine angezogen – so haben wir geübt! Die vollbestückte Strecke sind wir nur bei Meisterschaften gelaufen.“

Dem Fitnessorden ist der sportliche Pfälzer treu geblieben. Insgesamt 46 Mal hat er das Deutsche Sportabzeichen abgelegt, das Letzte 2008. „Danach ging es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr“, sagt Barz. Ganz loslassen möchte er jedoch nicht. „Es heißt zwar im Vaterunser ‚Führe uns nicht in Versuchung‘, aber ich fürchte fast, dass ich es noch ein Mal probiere, sobald ich mich wieder fit genug fühle“, sagt er und lacht.


  • Theoklaus Barz 1950 und 2010 (Foto: Seitz, Repro: Sportbund Pfalz)
    Theoklaus Barz 1950 und 2010 (Foto: Seitz, Repro: Sportbund Pfalz)

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