Sigrid und Heinrich Ringelkamp haben jahrzehntelang am richtig großen Sportabzeichen-Rad gedreht

– hierzulande und im Ausland! Das Ehepaar Ringelkamp aus Waiblingen blickt auf eine sehr intensive Sportabzeichen-Zeit zurück. Heinrich kam einst vom Fußball.

Sigrid und Heinrich Ringelkamp mit einer ungarischen Lehrerin, deren Schule schon seit zwanzig Jahren eine Partnerschaft mit einer Realschule im Kreis Rems-Murr pflegt (Foto: privat)
Sigrid und Heinrich Ringelkamp mit einer ungarischen Lehrerin, deren Schule schon seit zwanzig Jahren eine Partnerschaft mit einer Realschule im Kreis Rems-Murr pflegt (Foto: privat)

Es war 1977, als er nach acht Jahren als Jugend-Staffelleiter und Trainer beim SSV Steinach-Reichenbach zum Sportkreis Rems-Murr als Schriftführer kam und dort den Kollegen unterstütze, der sich ums Sportabzeichen gekümmert hatte. Aus dieser Unterstützung wurden eine Leidenschaft und eine Vision. Deswegen wurde er dem DOSB und dem diesjährigen Themenpartner, dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), für die Kampagne “Engagement macht stark!“ vorgeschlagen, in der Menschen mit beispielhaftem Einsatz bedacht werden.

Auf ungefähr 42 Jahre Engagement rund ums Deutsche Sportabzeichen kann er immerhin zurückblicken. Das muss ihm erst einmal einer nachmachen. Heinrich Ringelkamp hat das Deutsche Sportabzeichen in der Region Rems-Murr richtig groß gemacht und die Sportabzeichen-Wellen bis nach Ungarn und Russland schwappen lassen. Mit seinen (fast) 80 Jahren ist Heinrich nun leider nicht mehr aktiv. Seine Frau Sigrid freut’s. Dann ist er nicht mehr ständig unterwegs. Obwohl sie eigentlich immer mit ihm auf Tour war. „Wenn meine Frau nicht gewesen wäre, hätte ich das alles gar nicht machen können. Eigentlich hat sie im Hintergrund immer alles gemanagt“, sagt er dankbar.

Und es gab eine Menge zu tun. In erster Linie Verwaltungsaufgaben - Prüfkarten und Urkunden schreiben und verschicken und viel Organisation. Heinrich Ringelkamp hatte zeitweise bis zu 500 Prüfer unter sich. Doch die eigentliche Arbeit wurde in den Vereinen vor Ort gemacht, meint Ringelkamp bescheiden: „Das hab ich den Leuten auch immer gesagt: Ihr seid viel wichtiger als ich. Ich mache ja nur die Koordination. So war es doch.“ Und offenbar hat er damit eine Menge Menschen erreicht. Die Zusammenarbeit mit den Übungsleitern und den Fußballjungs hat Ringelkamp immer geschätzt.

Aufregende Zeiten in Ungarn und Russland

Nicht nur im Schwabenland haben die beiden die Werbetrommel für das Sportabzeichen gedreht. 15 Jahre lang sind sie jedes Jahr mehrmals nach Ungarn gereist und haben dort die Abnahme für die Breitensportler der Schulen angeboten und vorbereitet. Und das war eine echte Nummer. Mit dem Komitat Baranya ging es Mitte der 90er-Jahre los. Dann schlossen sich weitere ungarische Verwaltungsbezirke an. Mit 50 bis 70 Prüferinnen und Prüfern ging es auf die Reise und besonders bemerkenswert daran ist: Jeder hat die Reise- und Verpflegungskosten aus eigener Tasche bezahlt. Das Engagement hat sich gelohnt: In den Jahren 1995 bis 2004 konnten in Ungarn 23.690 Sportabzeichen verliehen werden. Es kam eine Schule nach der anderen hinzu, so Heinrich Ringelkamp. „Das war eine schöne Zeit. Wir haben so viele Leute kennengelernt und sind immer gut miteinander ausgekommen.“

Zu viel Eigenlob ist für die Ringelkamps nicht gut zu ertragen. Bei allem Engagement hätten sie es ohne Unterstützung nicht geschafft und vor allem Sigrid Ringelkamp war immer wieder auf Sponsorensuche. Der Deutsche Sportbund (heute Deutscher Olympischer Sportbund) übernahm die Kosten der Sportabzeichen in Ungarn. Als 1999 Bernd Laugsch vom DSB die Ringelkamps zum Sportabzeichentag in der Stadt Dombovar begleitete, konnte er live miterleben, wie herzlich der Empfang durch den Bürgermeister und die Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler waren. Viele Jahre war der Beauftragte des DSB, Jochen Schütte, leider in der Zwischenzeit verstorben, ein begeisterter Befürworter des Sportabzeichens in Ungarn.

Und natürlich gab es auch jede Menge Anekdoten zu erleben. Da war die Studentin, die beim Übersetzen einen Blackout hatte. Kein Problem für Sigrid. Ungarisch kann sie zwar nicht, aber mit Englisch ging’s auch und so sprang sie ein. Oder das Engagement eines Prüfers aus Backnang, der bei

der Bundeswehr war. Er wollte einem kranken ungarischen Kind helfen. Es hatte eine Hasenscharte und der Prüfer hatte bereits eine Operation in einem Bundeswehrkrankenhaus nebst Unterkunft der Mutter organisiert, als die Familie dann doch auf die Hilfe verzichtet hatte. „Keiner wusste damals, warum die Mutter so entschieden hat. Und ich fand den Einsatz des Prüfers ganz toll“, so Heinrich Ringelkamp traurig berührt. Wo er wieder lachen muss, ist, wenn er von den Besuchern aus Ungarn erzählt, die zum Teil auch bei Ringelkamps genächtigt haben. „Danach musste ich meistens die Betten wieder reparieren. Ist doch normal, wenn die Jungs durch die Bude toben.“

Geschichten einer Ehe

57 Jahre sind Sigrid und Heinrich jetzt verheiratet. Eigentlich eine Ehe zu dritt, denn der Sport im Allgemeinen und das Sportabzeichen im Besonderen war immer Teil der Beziehung. „Mein Beitrag war immer, zu tolerieren, was mein Mann so treibt“, sagt Sigrid. Doch ihr Mann und der Sportkreis Rems-Murr sehen das anders. „Heinrich ist ein Vorbild im ehrenamtlichen Engagement und seine Frau hilft immer mit.“ Die beiden gibt es also nur als Doppelpack, meinte auch der ungarische Präsident des Komitats Baranya einmal. Bei einem Empfang der Sportabzeichen-Crew wurde sie vermisst und Dr. Janos Hárgitáy fragte Heinrich: „Wo ist denn ihre Frau?“

Zu der Partnerschaft mit dem russischen Rayon Dmitrow kam es beim Sportabzeichen leider nur einmal zu einem Erfolg, nämlich als eine Gruppe Jungs zu einem partnerschaftlichen Austausch zum Sportkreis Rems-Murr kamen und alle Disziplinen bestanden. Trotz des Besuches in Dmitrow gab es keine weitere Zusammenarbeit, weil die meisten Schüler nicht schwimmen konnten. Eine Voraussetzung fürs Deutsche Sportabzeichen.

Rückschau und Ausblick

Alles in allem schauen die beiden also auf eine abwechslungsreiche und intensive Zeit zurück. Stolz sind sie auch ein wenig, weil es ihnen immer wieder gelungen ist, viele fürs Deutsche Sportabzeichen zu gewinnen. Aber ein bisschen traurig sind sie auch. Seit sich Heinrich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat, ist der Stellenwert des Sportabzeichens – sowohl in seinem Sportkreis als auch in Ungarn – zurückgegangen. Das Herzblut der Ringelkamps hatte offenbar viele angesteckt.

Es gab Zeiten, da hat Heinrich Ringelkamp selbst große Tourstopps organisiert. Zweimal, in den 90ern in Weinstadt. Beim diesjährigen Tourstopp am 12. Juli wird nicht gearbeitet. Da wird er mit seiner Sigrid zu Gast sein und sich an den vielen aufregenden, lustigen und intensiven Momenten seines Lebens freuen, wenn Waiblingen sich von ganzem Herzen bei den beiden bedankt.

Hoffentlich nehmen sie dann die Einladung nach Weimar wahr. Zum 15-jährigen Jubiläum des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement (BBE) sind alle für die Kampagne beispielhaft ausgewählten Ehrenamtlichen in der Woche des Bürgerschaftlichen Engagements (13.9.-22.9.) am 17.9. zum Thementag "Engagement im Sport" beim Tourstopp in Weimar eingeladen.

(Quelle: wirkhaus.berlin)


  • Sigrid und Heinrich Ringelkamp mit einer ungarischen Lehrerin, deren Schule schon seit zwanzig Jahren eine Partnerschaft mit einer Realschule im Kreis Rems-Murr pflegt (Foto: privat)
    Sigrid und Heinrich Ringelkamp mit einer ungarischen Lehrerin, deren Schule schon seit zwanzig Jahren eine Partnerschaft mit einer Realschule im Kreis Rems-Murr pflegt (Foto: privat)

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