Sportabzeichen statt Jugendrichter

Meistens fängt mit es mit einem harmlosen Ladendiebstahl oder häufigen Schwarzfahren an, aber nicht selten folgt klassischen Jugenddelikten eine kriminelle Karriere mit meist fatalen Folgen für Täter und Gesellschaft. Vor allem 14-17-jährige  sind gefährdet auf die schiefe Bahn zu geraten und im Sumpf der Jugendkriminalität zu versinken.

Um das zu verhindern, soll ein neues kriminalpädagogisches Jugendprojekt, "Teen Court" genannt, jugendlichen Ersttätern richterliche Sanktionen ersparen. In Wiesbaden ist das Projekt bereits so erfolgreich, dass es auf weitere Städte ausgeweitet werden soll. Auch der Sport und das Sportabzeichen beweist sich hier als probate Präventivmaßnahme.
 

"Normalerweise müssen sich straffällige Jugendliche selbst bei leichten und mittelschweren Delikten vor dem Jugendrichter verantworten - eine Maßnahme, die oft nicht von Wiederholungstaten abschreckt," sagt Rolf Nucklies, der  Betreuer des Projektes. "Bei dem Projekt werden Ersttäter einem Schülergremium vorgestellt, welches mit dem jugendlichen Straftäter  intensiv über den Fall, aber vor allem über das Motiv und den Hintergrund des Jugendlichen sprechen?, so Nucklies weiter. Die Sanktionen werden dann bezogen auf den Einzelfall und individuell von den Schülern ausgesucht. Die Täter sollen sich durch das Verfahren und die gemeinsam vereinbarten "Sanktionen" intensiv mit ihrer Tat auseinandersetzen. Dazu können unter anderem Besinnungsaufsätze, zeitlich begrenzte Handy- und PC-Verbote, gemeinnützige Arbeit oder sportliche Betätigung dienen.
 

Das Sportabzeichen als Hilfestellung um sich selbst zu finden

"Schülergremium und Täter sprechen eine Sprache. Das Verständnis bei den Jugendlichen ist dadurch wohl viel höher, als wenn sie von einem Erwachsenen verurteilt werden" erklärt Nucklies den Erfolg des Programms.  In einigen Fällen zeigte sich sogar die Teilnahme am Deutschen Sportabzeichen als probate "Sanktion?. "Beispielsweise haben wir mit einem übergewichtigen Ersttäter, der sich lieber mit fernsehen oder Computer spielen beschäftigte, vereinbart, den Erwerb des Sportabzeichens zu versuchen?, erklärt Nucklies. Die Sanktionen sollen dabei nicht in erster Linie als Strafe begriffen werden, sondern dem Jugendlichen helfen, seine Stärken zu erkennen und vorhandene Talente zu fördern. "Zwar hat er das Sportabzeichen nicht geschafft, aber herausgefunden, dass er ein guter Kugelstoßer ist und entsprechende Anerkennung erfahren?, so Rolf Nucklies weiter.
 

Jugendliche Ersttäter erfahren oft wenig Aufmerksamkeit in der Gesellschaft und haben in vielen Fällen kein Selbstwertgefühl. Der Sport dagegen kann neue Perspektiven geben. "Nicht wenige betreiben weiter Sport, auch weil ihnen dieses Umfeld gefällt. Sie haben Kontakt mit anderen Sportlern aller Altersgruppen, nehmen Ratschläge an und entwickeln so ein Gemeinschaftsgefühl." fasst Nucklies zusammen. Einige Jugendliche wurden auch als Helfer für die Sportabzeichenprüfer und Betreuer eingeteilt. Rund um das Sportabzeichen gibt es viele Möglichkeiten sich zu engagieren und soziale Kompetenzen zu entwickeln.
 

Der Sport beweist auch hier seine soziale und integrative Bedeutung für die Gesellschaft. In Wiesbaden wurden mit dem Projekt "Teen Court" 130 Delikte behandelt, die Rückfallquote liegt bei 10 Prozent. Die Rückfallquote lag vor der Einführung des Schülerprojektes deutlich höher - ein beachtlicher Erfolg auch mit Hilfe des Deutschen Sportabzeichens. Das Projekt wird auf Grund des Erfolges zunächst auch in Limburg zur Anwendung kommen - dort gibt es sicher auch



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