Wird das Deutsche Sportabzeichen Pflichtfach im chilenischen Schulunterricht?

Trotz der riesigen Entfernung der Länder voneinander genießt das Deutsche Sportabzeichen in Chile ein wachsende Popularität.

Frau Edith Bena-Dietrich, Zuständige für das Deutsche Sportabzeichen beim Deutschen Sportbund in Frankfurt am Main, hatte im Dezember 2004 Gelegenheit, in Santiago de Chile ein Gepräch mit Hermann Kramer über das deutsche Sportabzeichen im südwestlichsten Land Lateinamerikas zu führen. Trotz der riesigen Entfernung der Länder voneinander genießt das Deutsche Sportabzeichen in Chile ein wachsende Popularität.

Herr Kramer, seit 1998 sind Sie Koordinator der Aktionsstelle Deutsches Sportabzeichen in Santiago de Chile. Wie ist es eigentlich zur Gründung gekommen?

Kramer: Willi Klein, ehemaliger Beauftragter für das Deutsche Sportabzeichen im Deutschen Sportbund, hat die Kontakte zu unserem Club Manquehue hier in Santiago aufgenommen. Seit 1990 haben ständig mehr Mitglieder des Clubs ihre Sportabzeichen gemacht und an den Deutschen Sportbund gemeldet. So wurde der Deutsche Sportbund aufmerksam.
Offiziell wurde dann im Jahr 1998 eine "Aktionsstelle für das Deutsche Sportabzeichen in Chile" unter meiner Leitung gegründet.

Der Club Deportivo Manquehue ist ein aktiver Sportclub, der die Aktionsstelle eingerichtet hat. Ist der Club vergleichbar mit Sportvereinen in Deutschland?

Kramer: Der Club hat als großer Verein über 5.000 Mitglieder, die in 13 Sportarten aktiv sind. Allerdings im Gegensatz zu Deutschland handelt es sich um einen privaten Club, wobei die Sportsparten den nationalen Sportverbänden angehören. Die größten Abteilungen sind Hockey, Tennis und Fußball, wobei ein besonderer Schwerpunkt die Pflege des gesellschaftlichen und sozialen Lebens im Club ist.

Welchen Stellenwert hat das Sportabzeichen seitdem in Chile und wie viele Sportabzeichen sind bisher verliehen worden?

Kramer: Man muss klar erkennen, dass der Schwerpunkt meiner Arbeit in der Koordination von Wettbewerben in Schulen ist. Sportabzeichen werden zu einem großen Anteil an Schülerinnen und Schüler verliehen. Insgesamt wurden bisher über 8.000 Verleihungen vorgenommen.

Wenn die meisten Sportabzeichen von Schülerinnen und Schülern abgelegt werden, sehen Sie auch eine Chance, mehr Erwachsene zum Erwerb des Sportabzeichens zu animieren?

Kramer: Ein Ansatzpunkt wäre, Mitglieder und aktive Sportgruppen in deutsch-chilenischen Vereinen anzusprechen, von denen es einige in den größeren Städten gibt, teilweise mit vielen tausend Mitgliedern. Des Weiteren versuchen wir über die Schüler bzw. Schulen die Eltern selbst und deren Familien zu erreichen, wie es zum Teil in den Deutschen Schulen in Conception, Valparaiso und Temuco schon passiert.

 
Im Dezember waren deutsche Experten im Rahmen eines IMA-geförderten Breitensportprojektes mit dem Schwerpunkt Deutsches Sportabzeichen zu Gast in Santiago. Wie wichtig ist diese Unterstützung für Sie?


Kramer: Es ist sehr wichtig für uns, solche Maßnahmen wie die praktische Umsetzung oder das Deutsche Sportabzeichen als Fitnessprogramm gemeinsam mit Experten aus Deutschland erarbeiten und diskutieren zu können. Viele interessante Ideen könnten auch in Chile umgesetzt werden, Lehrer und Trainer waren begeistert und sind nun besonders motiviert, sich im Land für das Deutsche Sportabzeichen mehr zu engagieren. Insbesondere die beteiligten Lehrer werden versuchen, als Multiplikatoren das Deutsche Sportabzeichen in den Sportunterricht zu integrieren und als Pflicht-Unterrichtsinhalt aufzunehmen. Als wichtige Unterstützung ist die Einführung des neuen Softwareprogramms zur Verwaltung des Deutschen Sportabzeichens mit Begeisterung aufgenommen worden. Die mitgebrachten Sportgeräte, insbesondere der 80 g Schlagball - eine Seltenheit in Chile -, sind für unsere Arbeit ein Gewinn.



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