Fitnesscheck in Südtirol

Sport in Südtirol ist nicht nur Skifahren. Berichtet man über das Deutsche Sportabzeichen in aller Welt, lohnt sich der Blick nach Norditalien.

Erwin Lösch, schon 45 Mal beim Sportabzeichen erfolgreich, hier beim Sprung 1979 (Quelle: Lösch)
Erwin Lösch, schon 45 Mal beim Sportabzeichen erfolgreich, hier beim Sprung 1979 (Quelle: Lösch)

Hier hat das Deutsche Sportabzeichen eine über 45-jährige Geschichte. Gleich an sechs Orten in der Provinz Bozen legen Sportabzeichenfreunde regelmäßig den deutschen Fitnessorden ab.

„Das Sportabzeichen habe ich schon als kleiner Junge hier in Latsch gemacht“, erzählt Stephan Waldner, Koordinator für das Deutsche Sportabzeichen in Südtirol. „Mein Vater war damals Zeitnehmer, da hat er mich oft auf den Sportplatz mitgenommen.“ Seit 20 Jahren ist Waldner Prüfer und seit 1998 verantwortlich für das Deutsche Sportabzeichen in Südtirol.

In sechs Gemeinden können Südtiroler den deutschen Fitnesscheck machen: in Bozen, Brixen, Bruneck, Meran, Kaltern und Latsch. „Die sechs Außenstellen agieren autonom“, erklärt Stephan Waldner. „Bei mir laufen die Prüfkarten aus den verschiedenen Regionen ein und ich leite sie dann weiter nach Frankfurt zum Deutschen Olympischen Sportbund. Wenn die Prüfkarten, Urkunden und Abzeichen aus Deutschland zurückkommen, verteile ich sie wieder an die Außenstellen.“

Beim Sportabzeichen in Südtirol machen mehrheitlich deutschsprachige Sportler mit. „Es sind aber auch einige Italiener dabei, insbesondere Schüler aus Bruneck“, berichtet Waldner. „Dort macht ein Turnlehrer das Deutsche Sportabzeichen in den Oberschulen. Aus dieser Gemeinde habe ich dieses Jahr ein sehr großes Paket bekommen.“

Im Jahr 2010 haben insgesamt 330 Südtiroler das Deutsche Sportabzeichen abgelegt. In den 70er und 80er Jahren hatte das Sportabzeichen in Südtirol Hochkonjunktur. „Damals kamen etwa 800 Abzeichen pro Jahr zusammen“, erzählt Waldner. „Zu dieser Zeit war Bozen am aktivsten, heute hat Bruneck durch die Beteiligung der Schulen die Nase vorn.“

Rekordhalter von Beginn an dabei

Ein Südtiroler hat seit 1965 jedes Jahr ohne Unterbrechung das Deutsche Sportabzeichen abgelegt: Erwin Lösch, der ehemalige Vereinspräsident des SV Lana. Seit jungen Jahren ist er mit Begeisterung dabei. Das soll auch so bleiben. „Solange es die Gesundheit erlaubt, werde ich mich auch weiterhin jährlich dem Fitnesstest unterziehen“, sagt Lösch. „Heuer macht er sein 46. Abzeichen“, berichtet Waldner. „Ich bin mir sicher, dass er mindestens bis zum 50. Sportabzeichen weitermacht.“

Soweit ist Stephan Waldner noch nicht. Er legt in diesem Jahr sein 22. Sportabzeichen als Erwachsener ab. „Über den Fitnessorden halte ich mich das ganze Jahr über fit“, sagt der 50-Jährige. Und ich habe eine ständige Kontrolle darüber, was ich noch zu leisten imstande bin.“

Viele halten dem Sportabzeichen ein Leben lang die Treue. Andere kommen erst spät zum Fitnessorden oder stoßen nach längerer Pause wieder dazu. Dabei schreibt das Sportabzeichen immer wieder erstaunliche Geschichten. „Im vergangenen Herbst kam Johann Pircher zu uns auf den Sportplatz“, berichtet Waldner. Mit 80 Jahren wollte er nach fünfzehn Jahren Pause noch einmal wissen, ob er das Sportabzeichen noch schafft. Er hat an einem Tag bis auf das Schwimmen alle Prüfungen absolviert. Das war eine tolle Leistung.“

Waldner freut sich über jeden Einzelnen, den er erfolgreich zum Sportabzeichen begleiten kann. „Ganz besonders fasziniert mich am Sportabzeichen, dass es ein Angebot für die ganze Familie ist. Bei uns trainieren Sportler aus drei Generationen, der Älteste ist 84 Jahre, die jüngsten sind sechs Jahre alt.“ Für den Sportabzeichennachwuchs ist in Latsch gesorgt und so werden in Zukunft wohl noch viele Meldungen über erfolgreiche Prüfungen in Frankfurt eintreffen.


  • Erwin Lösch, schon 45 Mal beim Sportabzeichen erfolgreich, hier beim Sprung 1979 (Quelle: Lösch)
    Erwin Lösch, schon 45 Mal beim Sportabzeichen erfolgreich, hier beim Sprung 1979 (Quelle: Lösch)
  • Stephan Waldner und seine Frau Ida (Quelle: Waldner)
    Stephan Waldner und seine Frau Ida (Quelle: Waldner)